Wohnen für Alle - Ein Ergebnisbericht

Interesse der Teilnehmer an dem Forum
Die hohe Teilnehmerzahl von etwa 100 Personen zeigt, wie sehr die Probleme des Oldenburger Wohnungsmarktes den Menschen unter den Nägeln brennen. Die Gründe, warum sie in die bau_werk Halle kamen, sind derweil sehr unterschiedlich. Während viele Menschen von den Zumutungen des Wohnungsmarktes direkt betroffen sind, nahmen andere aus Solidarität oder allgemeinem Interesse an den Diskussionen teil.
Zunächst sollen einige Teilnahmegründe gelistet werden, die aus eigener Betroffenheit resultieren. Auffällig ist ein breites Gefühl der Unsicherheit bezüglich der eigenen Wohnsituation.

Interesse aus Betroffenheit:
         –  günstiger Wohnraum ist schwer zu finden, vor allem für Geringverdiener, Sozialleistungsempfänger, Studenten usw. 

         –  Der Zuzug nach Oldenburg wird durch hohe Mieten erschwert. 

         –  Viele Menschen haben die Sorge, bei einem Wohnungswechsel höhere Mieten in Kauf 
nehmen zu müssen. 

         –  Sorgen vor Modernisierungen und Sanierungen, weil diese meist mit Mieterhöhungen 
einhergehen 

         –  Sorge vor Anmeldung von Eigenbedarf durch den Vermieter 

         –  Die Ängste vor erhöhten Mieten und erzwungenem Umzug sind besonders schlimm bei 
älteren Menschen, weil diese weniger mobil sind und in ihrem gewohnten Umfeld bleiben 
möchten.

         –  Hinzu kommen Gewerbetreibende, die zusätzlich hohe Gewerbemieten bemängeln. 
Neben Problemen mit Mieterhöhungen berichteten einige Menschen von Hindernissen bei der Wohnungssuche durch Diskriminierung, etwa durch Schufa- Einträge oder Haustiere. Außerdem sind wohl auch Alleinerziehende und größere Familien von Diskriminierung betroffen. Viele Menschen treibt die Frage um, nach welchen Kriterien denn eigentlich Wohnungen vergeben werden. 
Nicht alle Teilnehmer des Forums waren selbst mit Problemen des Wohnungsmarktes konfrontiert, sondern kamen aus Solidarität. Es waren außerdem einige Personen vor Ort, welche die Interessen anderer vertreten, etwa Studenten, Erwerbslose oder ein Frauenhaus.Viele Menschen haben ein allgemeines Interesse an verschiedenen Aspekten der Wohnungspolitik oder der Stadtentwicklung. In den Diskussionen wurde deutlich, dass auch die Qualität des Wohnumfeldes, die Infrastruktur, das städtische Verkehrskonzept, die soziale Durchmischung von Quartieren und unerwünschte Nachverdichtungen von Bedeutung sind. 

     
Große Einigkeit herrschte darüber, dass bezahlbares Wohnen ein Grundrecht ist. Die Spekulation mit Grundstücken und Wohnungen durch Investoren wird darum als ein Hauptproblem wahrgenommen.
Auffällig war das starke Interesse einiger Besucher für verschiedene alternative Wohnprojekte, wie Mietsyndikate, Wagenplätze, Hausboote und Formen gemeinschaftlichen oder genossenschaftlichen Wohnens. Das Hauptproblem dieser Leute ist das mangelnde Interesse der Stadt, solche Projekte durch die Vergabe von günstigen Grundstücken in angemessener Lage zu unterstützen.

Wünsche und Forderungen
Wenig überraschend verbindet die Forumsbesucher die Forderung nach mehr bezahlbaren Wohnungen. Um dies zu erreichen, wurden auch einige Instrumente vorgeschlagen (siehe unten). Der Bau weiterer Luxuswohnungen und die Vergabe von Grundstücken an Investoren, verbunden mit nur schwachen Verpflichtungen für die Schaffung sozialer Wohnungen, werden abgelehnt. Stattdessen fordern wir eine Wohnungspolitik, die sich am tatsächlichen Bedarf der Einwohner orientiert. Die Bedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen (Senioren, Familien etc.) müssen beim Bau berücksichtigt werden. Auch für Obdachlose soll es Wohnungen geben.
Die Teilnehmer unseres Forums wünschen sich zwar sozialen Wohnraum, dieser sollte jedoch zugleich auch ökologisch sein. Bei der Zusammensetzung von Quartieren muss auf eine soziale Durchmischung geachtet werden. Zudem braucht es eine gute Infrastruktur mit genügend Freizeit- und Grünflächen, sowie eine gute Verkehrsanbindung. Die Stadt muss deshalb Konzepte entwickeln, die diese Aspekte miteinander in Einklang bringen.
Private Immobilienfirmen haben bislang wenig zur Lösung unserer Probleme beigetragen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie unsere Wünsche und Forderungen nun umsetzen werden, denn ihre Profitinteressen stehen dem im Wege. Im World- Café wurden deshalb verschiedene Methoden vorgeschlagen, den Wohnungsmarkt stärker zu reglementieren. Auf diese Weise sollen private Bauherren zur Schaffung bzw. Bewahrung bezahlbaren Wohnraums gezwungen werden. Außerdem müssen die Mietsteigerungen im aktuellen Wohnungsbestand gestoppt werden.
Andere Vorschläge sehen vor, die Grundstücksvergabe an private Unternehmen einzustellen. Stattdessen müsste die Stadt mithilfe einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft selbst bauen. Auch die Vergabe an Stiftungen wurde diskutiert.
Unabhängig davon, durch wen der soziale Wohnungsbau letztendlich geschaffen wird, wünschen sich viele Menschen mehr Bürgerbeteiligung und Mitspracherecht bei der Gestaltung ihres Wohnumfeldes.
Das wohnungspolitische Forum hat ein großes Interesse an alternativen und gemeinschaftlichen Wohnprojekten gezeigt. Wir fordern von der Stadtverwaltung, solche Projekte nicht zu behindern, sondern sie zu fördern. Dazu müssen Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Neben der Stadt sollen auch Genossenschaften und das Mietshäuser- Syndikat bauen können.

Im World Café vorgeschlagene Instrumente gegen die Wohnungsnot:
         –  Mietendeckel 

         –  Verkaufsstopp kommunaler Flächen 

         –  Die Stadt soll auf ihren Grundstücken selbst sozialen Wohnraum schaffen 

         –  Bindungsfristen verlängern oder abschaffen 

         –  Anpassung von Zuschüssen für die Miete (z.B. Wohngeld) 

         –  Unterstützung bei der Wohnraumvermittlung, z.B. in Form einer Tauschbörse 

         –  Förderung von Mietkauf 

         –  Die Stadt soll private Grundstücke aufkaufen. 

         –  Reglementierung von Mieterhöhungen nach Sanierungen 

         –  Erhebung des Leerstandes, Entwicklung eines Konzeptes dagegen 

         –  Städtische Grundstücke an gemeinnützige Stiftungen vergeben 

         –  Starke Besteuerung von Gewinnen aus Spekulation mit Wohnraum 

         –  Bessere Förderung und Unterstützung alternativer und gemeinschaftlicher Wohnprojekte 
Wünsche an das Oldenburger Bündnis - Wohnen für Alle 
In der abschließenden Diskussion hatten alle Anwesenden die Möglichkeit zu Wortmeldungen in großer Runde. Dabei wurden einige Wünsche und Erwartungen an unser Bündnis formuliert.

Wünsche / Erwartungen an das Bündnis 

         –  Das Bündnis soll nicht nur für bezahlbaren Wohnraum stehen, sondern auch bei anderen Themen der Stadtentwicklung in Aktion treten, welche die Lebensqualität in Oldenburg beeinträchtigen. 

         –  Verschiedene Ideen wie Fahraddemos, Aktionen im Stadtrat oder Begehungen von Baugebieten wurden vorgeschlagen. 

         –  Viele Redner wünschen sich feste Ansprechpartner bzw. eine Anlaufstelle für Themen des Wohnungsmarktes. 

         –  Einige Redner wünschen sich mehr Informationen und Recherchen zum Oldenburger Wohnungsmarkt. Sie wissen nicht, welche Akteure eine Rolle spielen (wer ist eigentlich der Gegner?). Die Beiträge können als Auftrag an das Bündnis verstanden werden, Recherchen zu betreiben und gebündelt vorzustellen. 

         –  Das Bauen von Wohnungen durch die Stadt wird als eines von mehreren Mitteln unterstützt, um die Situation zu verbessern. 
Die Forumsteilnehmer wünschen sich also erstens Hilfe dabei, die Strukturen und Probleme des Oldenburger Wohnungsmarktes besser zu verstehen. Hierzu brauchen sie Informationen. Viele verstehen das Bündnis als Möglichkeit der Vernetzung. Wissen soll gebündelt werden, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln und in Aktion zu treten. 
Zweitens soll das Bündnis durch hör- und sichtbare Aktionen zur Stadtentwicklung in Oldenburg Stellung beziehen. Gewünscht wird „Druck von unten“ auf die Entscheidungsträger. Oldenburg gehört den Menschen, die hier leben – unser Bündnis soll dazu beitragen, diese Idee endlich in die Tat umzusetzen. 


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