Gemeinsame Pressemitteilung von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der ALSO

Pressemitteilung

Logos der AbL und der ALSOPressemitteilung
Hannover/Oldenburg 08.07.2025
Gemeinsame Pressemitteilung der AbL Niedersachsen/Bremen e.V. und ALSO e.V.

Ausbeutungsstrukturen und Lohndumping bringen keine gute Ernte ein!
Warum die Forderung nach einem geringeren Mindestlohn für Saisonarbeiter:innen nicht nur empörend, sondern auch nicht zielführend ist

Bauernverband und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer beweisen mit ihren öffentlichen Forderungen nach einer offiziellen Unterschreitung des Mindestlohns noch bevor die Mindestlohnkommission ihren Vorschlag veröffentlicht hat, nicht nur mangelnde Empathie gegenüber der vielfach ohnehin von Armut und Ausbeutung betroffenen Gruppe der Saisonarbeiter:innen, sondern auch mangelnde Weitsicht.

Steigendende Kosten und stagnierende Erzeugerpreise sind ein wesentlicher Grund für eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Situation landwirtschaftlicher Betriebe. Daher ist es zwar nicht verwunderlich, dass die Anhebung des Mindestlohns in der Landwirtschaft vielfach auf Ablehnung stößt, Forderungen nach einem geringeren Mindestlohn für Saisonarbeiter:innen sind allerdings keine Lösung in diesem Dilemma, sondern widerliche Versuche, ein auf Ausbeutung beruhendes System gesetzlich zu verankern. Faire Arbeits- und Einkommensbedingungen müssen in der Landwirtschaft aber für alle gelten. Das ist die Voraussetzung für eine stabile Situation im ländlichen Raum und eine prosperierende Landwirtschaftsbranche. Ein System, dass nur durch Ausbeutungsstrukturen funktioniert, hat langfristig keine Zukunft.

Die Arbeitslosenselbshilfe Oldenburg (ALSO e.V.) berät u.a. auch Arbeitsmigrant:innen und Saisonarbeiter:innen in der Landwirtschaft und Arbeitnehmer:innen im vor- und nachgelagerten Bereich, die vielfach von ausbeuterischen Praktiken betroffen sind. Roman Langner, (ALSO e.V.) mahnt an:„In unseren Beratungstätigkeiten stellen wir immer wieder Missstände fest. z.B. ausbeuterische Praktiken in der Saisonarbeit, wie Tricksereien bei der Sozialversicherung oder überzogene Unterkunfts- und Nebenkosten, das in Rechnung stellen von Arbeitsmitteln und undurchsichtige Lohnabrechnungen. Die Forderung der Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn für Saisonarbeiter:innen ist ein Angriff auf die Arbeitnehmer:innenrechte und die sozialen Mindeststandards. Dieser reiht sich ein in die Hetze gegen Bürgergeldempfänger:innen und Geflüchtete (Stichwort: Bezahlkarte). Wir rufen auf zu solidarischem Handeln gegen die Angriffe auf den Sozialstaat!“

Ottmar Ilchmann, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft – Landesverband Niedersachsen ( AbL Niedersachsen/ Bremen) ergänzt:: „Langfristig werden Saisonarbeiter:innen, die auf unseren Feldern, schwere Arbeit unter oft schwierigen Bedingungen verrichten, nur kommen, wenn ihre Arbeit fair entlohnt wird und die Arbeitsbedingungen sich nicht weiter verschlechtern. Die Anhebung des Mindestlohns muss einhergehen mit politischen verlässlichen Rahmenbedingungen, die es Erzeuger:innen ermöglichen, kostendeckende und gewinnbringende Preise am Markt zu erzielen, um landwirtschaftliche Betriebe zu erhalten und sowohl die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern wie auch der Saisonarbeiter:innen angemessen zu entlohnen. Hierfür zu arbeiten, sollte Fokus von Politik und Verbänden sein. Die AbL fordert daher auch gemeinsam mit der Verbändeplattform zur GAP in ihren Vorschlägen zur Weiterentwicklung der GAP nach 2027, bei der neu eingeführten sozialen Konditionalität zukünftig auch den Mindestlohn als einzuhaltende Grundanforderung einzubeziehen.“ Dass die Steigerungen in den Lebenshaltungskosten in Deutschland eine Anpassung des Mindestlohns notwendig machen, kann kaum bestritten werden. Auch die Lebensmittelpreise haben deutliche Preissteigerungen verzeichnet.

Hierzu kommentiert Ottmar Ilchmann: "Hochwertige, zu hohen Sozial- und Umweltstandards produzierte Lebensmittel müssen ihren Preis haben. Um ärmere Menschen nicht von ihrem Kauf auszugrenzen, sollte man allerdings einmal einen Blick auf die Margenverteilung in der Wertschöpfungskette werfen. Lebensmittel sind um 30% teurer geworden, wer macht sich damit gerade die Taschen voll? Mit Sicherheit nicht die Erzeuger:innen! " Preisdrückerei im Lebensmittelsektor ist kein Ersatz für Sozialpolitik, Kostendrückerei zu Lasten der Schwächsten ersetzt nicht die Pflicht für den Einsatz für eine Möglichkeit der Kostenweitergabe in der Wertschöpfungskette.“

Hintergrund:
Der Präsident des Bauernverbandes Joachim Rukwied fordert das jetzige Lohnniveau für Saisonkräfte in der Landwirtschaft einzufrieren und eine Sonderregelung für Saisonkräfte zu schaffen. Der Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hatte sich für diese Forderung offen gezeigt und sein Ministerium angewiesen zu prüfen, ob es hierfür einen rechtssicheren Weg der Umsetzung gäbe. Die Tagesschau hatte hierüber am 24.6. berichtet.

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