"Klassenbewusstsein bei Amazon Angestellten?"

Bei Amazon findet gerade einer der längsten Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik statt.
In einer früheren Untersuchung wurde gezeigt, dass die Streikbereitschaft sich aus zwei Faktoren speist: einerseits das Vertrauen in die Gewerkschaft, andererseits das Erleben der Arbeitsbedingungen bei Amazon mit massiver Kontrolle und erheblichem Stress.
Man kann diese Faktoren als Push Faktorenzusammenfassen: ein Leiden führt zu einer kämpferischen Haltung.
In dieser Untersuchung gehen wir der Frage nach, ob mitgebrachte Bewusstseinsformen der Angestellten für die Streikbereitschaft auch eine Rolle spielen. Dazu wurden drei unterschiedliche soziale Orientierung definiert: eine neoliberal leistungsbezogene, eine traditionell autoritäre und eine kollektiv egalitäre Grundeinstellung. Die letztere Einstellung vermuteten wir als Pull Faktor: Eine bestimmte Lebens- und Interaktionsform zu wollen, sollte dazu führen, sich an Klassenauseinandersetzungen zu beteiligen, weil man ein anderes soziales Leben will.
Die Untersuchung basierte auf Fragebögen, die zum Schichtwechsel vor einem Distributionszentrum von Amazon verteilt wurde. Letztlich konnten etwas über 200 Fragebögen statistisch ausgewertet werden.
Tatsächlich ließen sich per Faktoren- und Regressionsanalyse auch die vermuteten drei dominanten sozialen Orientierungen bei Amazon nachweisen, allerdings aufgesplittet auf fünf. Das kollektivistisch egalitäre Muster steht wie ebenfalls vorhergesagt gewerkschaftlicher Politik am nähesten – die aktive Beteiligung am Streik erklärt es aber genauso wenig wie die anderen. "Push" und "Pull" Faktoren für klassenpolitisches Handeln stehen damit in den Amazon Streiks weitgehend nebeneinander – die Gründe dafür und die theoretischen Konsequenzen sollen diskutiert werden. 
 

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