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Verwaltung will die Förderung der ALSO kippen (Stand: 18.11.08)

Die Verwaltung der Stadt Oldenburg hat in ihrem Haushaltsentwurf für 2009 die Finanzierung der ALSO auf Null gesetzt. Der NWZ konnten wir entnehmen: wegen des „Reizklimas“. Im „Hunte-Report“ vom 05.10.2008 wird Oberbürgermeister Dr. Schwandner mit den Worten zitiert: „Wir haben Probleme damit, eine Einrichtung zu unterstützen, die gegen die Stadt in Form der ARGE arbeitet. Die Politik soll darüber entscheiden.“

Wir fragen uns, aufgrund welcher Informationen die Verwaltung zu Ihrem Urteil kommt. Weder der Oberbürgermeister, Herr Dr. Schwandner, noch der Sozialdezernent, Herr Schumacher, noch die Finanzdezernentin, Frau Meyn, haben es für nötig gehalten, vor dieser Entscheidung einmal mit uns zu sprechen, um auch unsere Sichtweise kennenzulernen. Auch von der Möglichkeit, einmal das Arbeitslosenzentrum zu besuchen und mit Betroffenen selbst zu reden, haben sie in ihrer bisherigen Amtszeit noch keinen Gebrauch gemacht. Immerhin müssen mehr als 20.000 Oldenburger BürgerInnen von Sozialleistungen leben.
Abgesehen davon, dass viele MitarbeiterInnen der ALSO selbst Alg II beziehen müssen, erfahren wir eine Menge über den Lebensalltag von Erwerbslosen und darüber, wie sie in den Behörden behandelt werden. Die ALSO führt mehr als 2.000 Beratungsgespräche pro Jahr im Arbeitslosenzentrum, davon mehr als 90 Prozent zu HartzIV. Seit Februar 2008 stehen wir regelmäßig mit einem Informations- und Beratungsstand vor der ARGE und begleiten mehrere Hilfebedürftige pro Woche in die Büros der SachbearbeiterInnen. Aufgrund zu geringer finanzieller Förderung können wir der Nachfrage nach unabhängiger Sozialberatung bei weitem nicht nachkommen.
Wir betonen noch einmal ausdrücklich, dass wir nicht gegen irgendeine Behörde arbeiten. Viele Betroffene haben allerdings den Eindruck, die ARGE arbeite nicht für, sondern gegen sie und ihre berechtigten Ansprüche. Deshalb kommen sie zur ALSO, und wir versuchen gemeinsam, geltendes Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen.
Wir appellieren an die Ratsfrauen und -herren und die Öffentlichkeit, das vorschnelle Urteil der Verwaltung über die Arbeit der ALSO zurückzuweisen und sich selbst ein Bild zu verschaffen. Deshalb haben wir allen unsere ausführliche Stellungnahme zum Brief des Geschäftsführers der ARGE, Herrn Trautmann, zugänglich gemacht.
Gerne stehen wir für Nachfragen zur Verfügung. Besuchen Sie das Arbeitslosenzentrum, laden Sie uns ein, wenn Sie mehr über unsere Arbeit erfahren wollen.

Was ist der Hintergrund?

Wer sich über aktuellen Auseinandersetzungen genauer informieren möchte, kann dies anhand der hier dokumentierten Artikel und Briefe tun:

Bei der Begleitung einer alleinerziehenden Frau in das Büro ihrer Sachbearbeiterin am 2. September 2008 rief der Teamleiter die Polizei und stellte gegen den Vater der Betroffenen und zwei Beistände Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch. Der Vorfall ist sehr anschaulich in einem Artikel der „taz“ vom 11.09.2008 geschildert, den die betroffene Frau selber auf ihrer Internetseite eingestellt hat.

Die ALSO hat daraufhin am 12.09.2008 einen offenen Brief an den Geschäftsführer der ARGE, Herrn Trautmann, geschrieben und ihn aufgefordert, die Anzeigen zurückzunehmen: Offener Brief vom 12.09.08 (pdf, 347 kb)

In seiner Antwort vom 16.09.2008 wirft Herr Trautmann der ALSO vor, sie führe einen „Kleinkrieg“ gegen die ARGE und arbeite mit Druck, Zwang und Erpressung; zur Forderung, die Anzeigen zurückzuziehen, äußert er sich nicht: Antwort des Herrn Trautmann (pdf, 75 kb)

Die ALSO schildert am 02.10.2008 in einer Antwort auf die Mitteilungen Herrn Trautmanns noch einmal ausführlich den Vorfall und begründet die Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit von Beratung und Begleitung von Betroffenen mit Beiständen zur ARGE. Solange die ARGE nicht die Anzeigen gegen den Vater und die rechtmäßigen Beistände zurückzieht, kann die ALSO Gesprächsangebote des Geschäftsführers allerdings nicht ernst nehmen: Unsere Antwort auf Herrn Trautmann (pdf, 285 kb)

Am 18.11.08 nachgetragen:
Nun hat die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 6. November die Verfahren eingestellt. Für die ALSO und andere Beistände bleibt allerdings die Verunsicherung, wie die ARGE sich in Zukunft verhalten wird. Deshalb haben wir die Ratsfraktionen aufgefordert, hier für Klarheit zu sorgen. Dazu die Pressemitteilung der ALSO: Pressemitteilung (pdf, 151 kb)

Archiv:

Förderung der ALSO
(18.11.2008)