Durch üble Hetzkampagnen nicht
beeindrucken lassen!
Bundeswirtschaftsminister Clement spricht
von „Parasiten“, der Oldenburger Oberbürgermeister
Schütz verwendet das Wort „Zellteilung“:
Arbeitslose und ihre Familien sollen
nicht mehr als Menschen gelten!
Werden Arbeitslose und ihre Familien demnächst
als „Schädlinge der Leistungsgesellschaft“
gebrandmarkt? Müssen sie bald das Logo des Arbeitsamts
auf ihre Jacken nähen? Soll die Öffentlichkeit
mit solchen Kampagnen auf etwas vorbereitet werden –
aber auf was?
In Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen werden
einzelne Fälle von angeblichem Leistungsmissbrauch
breitgewalzt. Die Medien geben sich für diese Kampagne
bereitwillig her. Die seriösen JournalistInnen
mit ihrem hohen Berufsethos stört es nicht, dass
rund 20 Einzelfallbeschreibungen dem Wirtschaftsminister
dazu dienen, fünf Millionen Menschen pauschal „Missbrauch,
Abzocke und Selbstbedienung im Sozialstaat“ zu
unterstellen. Keine wissenschaftliche Untersuchung,
keine Zahlen, keine seriösen Hochrechnungen, keine
Beweise – es wird einfach behauptet und mit der
(Regierungs-) Macht der Herrschenden im reißerischen
Jargon öffentlich verbreitet. „Man muss eine
Lüge nur oft genug wiederholen, irgendwann wird
sie für die Wahrheit gehalten“, sagte Propagandaminister
Josef Göbbels.
Was haben die Arbeitslosen verbrochen?
1.
Arbeitslose sind arbeitslos
Arbeitslos zu sein, ist das Schlimmste,
was ein Mensch den Politikern antun kann. Arbeitslose
erinnern die Politiker an ihre zahlreichen gebrochenen
Versprechen und ihr offenkundiges Scheitern. Sie erinnern
daran, dass sechs bis sieben Millionen Arbeitsplätze
fehlen. Sie erinnern an wachsende Armut bei gleichzeitig
wachsendem Reichtum. Sie erinnern daran, dass Profit
der Zweck kapitalistischen Wirtschaftens ist und nicht
Vollbeschäftigung, Wohlstand und Gerechtigkeit
für alle Menschen auf der ganzen Welt.
2.
Arbeitslose nehmen in Anspruch, was ihnen gesetzlich
zusteht
Damit haben die Politiker nicht gerechnet,
-
dass es tatsächlich mehr als fünf Millionen
erwerbsfähige Hilfebedürftige gibt,
-
dass Arbeitslose sich von 16seitigen Formularen,
Schnüffelei in ihrer Privatsphäre, bürokratischen
Hindernissen, langen Wartezeiten und Schikanen nicht
abschrecken lassen,
-
dass fünf Millionen Menschen keine Villen,
keinen teuren Schmuck, keine Luxusautos, keine Aktien,
kein Vermögen und keine zahlungskräftigen
PartnerInnen haben,
-
dass volljährige, mündige Staatsbürger
ihr Grundrecht auf Freizügigkeit tatsächlich
in Anspruch nehmen und von zuhause ausziehen,
-
dass Arbeitslose massenhaft Widerspruch einlegen
gegen Bescheide, die sie entmündigen, die nicht
zu verstehen und nicht zu kontrollieren sind.
3.
Arbeitslose kosten mehr als geplant
Für viele Arbeitslose haben sich
mit dem Arbeitslosengeld II die Leistungen gegenüber
der Arbeitslosenhilfe verschlechtert. Viele frühere
Soziahilfeberechtigte haben weniger, weil es keine einmaligen
Beihilfen mehr gibt. Von 345 Euro im Monat zu leben
und davon noch 50 Euro jeden Monat zu sparen, ist unmöglich.
Der Name „Grundsicherung“ ist für dieses
Geld ein Hohn.
Aber wenn diese minimale Versorgung unterhalb
der offiziellen Armutsgrenze für fünf Millionen
Menschen 28 Milliarden Euro kostet, dann kostet sie
eben 28 Milliarden Euro!
28 Milliarden Euro für das Arbeitslosengeld
II zeigen doch nur, wie viele Menschen in dieser Gesellschaft
daran gehindert werden, sich und ihre Familien mit einer
vernünftigen und existenzsichernden Arbeit selbst
zu versorgen.
Alle Politiker,
-
die nicht in der Lage oder willens sind, gesellschaftliche
Bedingungen zu schaffen, in denen alle Menschen
entweder eine vernünftige und existenzsichernde
Arbeit finden oder wenigstens ein menschenwürdiges
und bedingungsloses Grundeinkommen erhalten,
-
die trotzdem an ihrer Macht festhalten und dafür
ihre Mitmenschen öffentlich zu Kostenfaktoren
erniedrigen, sie als „Parasiten“ oder
„Zellen“ bezeichnen,
all diese Politiker unterstützen
die Herausbildung einer neuen Diktatur: die weltweite
Diktatur der kapitalistischen Marktwirtschaft, ein totalitäres
Regime des Profits, das seine Opfer – die Arbeitslosen,
Ausgegrenzten und Armen – zuerst mit Worten in
die Tierwelt verdammt, um sie dann mit Taten –
ja was kommt denn als nächstes?
4.
Arbeitslose leben und arbeiten weiter und ziehen weiter
um
Die Arbeitslosen werden weiter leben.
Sie werden weiter Anträge auf Alg II stellen. Sie
werden weiter umziehen, wenn sie umziehen wollen. Sie
werden weiter nebenbei arbeiten – ob schwarz oder
nicht schwarz. Wer will ihnen darüber moralische
Vorhaltungen machen: Herr Hartz und die ganze Betriebsrats-
und Abgeordnetenmafia, die Arbeitslose scheuchen wollen
und sich selbst illegal zweifelhaften Luxus bescheren?
Innenminister Schäuble, mit dem schwarzen Koffer
unterm Arm? Herr Kohl, mit seinem millionenschweren
Ehrenwort? Herr Koch, der brutalstmögliche Spendenvertuscher?
Herr Ackermann oder Herr Zwickel, die „notleidenden“
Spitzenmanagern mal eben 57 Millionen Euro zuschieben?
5.
Arbeitslose werden weiter offensiv ihre Würde verteidigen,
ihre berechtigten Ansprüche stellen
und sich gegen falsche Bescheide und Schikanen zur Wehr
setzen
Und die ALSO wird sie nach Kräften
dabei unterstützen! Und dabei werden wir nicht
stehen bleiben: die nächsten Schritte zu einer
Gesellschaft, in der die Menschen – und nicht
der Profit – darüber bestimmen, was und wieviel
und unter welchen Bedingungen produziert wird, heißen:
-
Bedingungsloses Grundeinkommen für alle
Menschen, die hier leben
-
Mindestlohn von 1.400 Euro im Monat
-
Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden / Woche
bei vollem Lohnausgleich
-
Verfügung der Allgemeinheit über die
öffentlichen Güter
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