Neulich in Oldenburg
An die Tür klopfen zwei zwielichtige Gestalten.
Ich öffne und sie sagen, sie wollten sich mal in meiner
Wohnung umsehen. Wie, was jetzt?
„Na, Sie bekommen doch Alg II und haben
angegeben in einer WG zu leben. Und nun wollen wir uns hier
mal umsehen wie Sie so wohnen.“
„Ja, dürfen Sie denn so einfach hier
herkommen, ohne Anmeldung und muss ich Sie jetzt hereinlassen?“
„Ja das dürfen wir. Und wenn Sie
uns nicht in die Wohnung lassen, wird das Konsequenzen haben.“
„Können Sie sich ausweisen?“
„Äh, ja, Moment mal, der Ausweis
liegt noch im Auto, mein Kollege holt den eben. Aber ich
hab ja hier Ihre Akte, an die komme ich ja nicht, wenn ich
nicht von der ARGE wäre.“
– o.k., ausweisen konnten sich die beiden,
also, ich wollte ja auch keinen Stress haben, die Kohle vom
Amt war in diesem Monat auch nicht pünktlich auf meinem
Konto, nun gut, dachte ich, sollen sie doch sehen wie ich
wohne, hab ja nix zu verbergen, was soll's. Und dann steht
der eine doch schon im Zimmer von meinem Mitbewohner, ohne
zu fragen, ob das mein Zimmer ist und er da mal 'reinsehen
dürfte. Ich sag, das geht so aber nicht, das ist nicht
mein Zimmer, das ist am anderen Ende des Flurs, er soll da
mal schnell wieder rauskommen. Wer jetzt denkt, er hätte
sich wegen des Mißverständnisses entschuldigt,
irrt sich gewaltig. Nein, wieder so eine Drohung: Es müsse
sich die ganze Wohnung angesehen werden, alle Räume und
wenn ich das nicht zulassen würde, dann müsse man
doch mal meinen Bescheid genauer überprüfen und
das mit der Überweisung könne dann noch etwas dauern
...
Ich bin aber eisern geblieben und hab gesagt,
er soll da wieder rauskommen. Der Kollege hat die ganze Zeit
über Notizen gemacht, keine Ahnung was alles. In meinem
Zimmer steht so ein breites Bett. Da meint einer der beiden,
ha, da haben wir's ja, eine eheähnliche Gemeinschaft.
Und sie haben das nicht angegeben in ihrem Antrag, blah, blah
... . „Warum sollte ich das auch? Schließlich
lebe ich hier in einer WG mit noch 2 anderen Menschen zusammen
und nicht eheähnlich. Ich muss selbst für mich sorgen.“
„Ja aber das Bett!“ „Ja, darf ich als Einzelperson
etwa nicht in einem großen Bett schlafen – was
wird denn in diesem Land noch alles versucht zu reglementieren?“
Kaum war das abgehackt, hebt einer der beiden schon den Deckel
von dem Korb für dreckige Wäsche hoch, guckt rein
und kurz bevor er anfängt darin 'rumzuwühlen, kann
ich ihn grad noch stoppen mit der Frage, ob er jetzt meine
Wäsche waschen wolle, oder was das nun wieder soll? Es
könne ja sein, dass da Wäsche von zwei Geschlechtern
drin wäre, das wäre dann auch ein Beweis für
die eheähnliche Gemeinschaft. Pah, von wegen! So, jetzt
müsse er doch mal meine Untermietgenehmigung des Vermieters
sehen, die hätte ich noch immer nicht vorgelegt. Brauch
ich auch nicht, schließlich habe ich doch mitgeteilt,
wie hoch meine Miete ist, im Amt hat die Mietquittung vorgelegen,
das reicht! Das ich tatsächlich hier wohne, davon überzeugen
sie sich ja gerade selbst. Nun müssen wir noch das Zimmer
nachmessen, die Küche und die anderen Gemeinschaftsräume
sehen und dann werden wir mal überprüfen, ob sie
das im Antrag auch alles wahrheitsgemäß so angegeben
haben, wie wir das hier jetzt sehen. Aber so wie sie sich
uns gegenüber verhalten haben – also da sehen wir
schwarz, ob sie überhaupt noch etwas bekommen.
Nötigung,
falsche Angaben,
Überrumpelung,
Einschüchterung,
keine Rechtsgrundlage
– dagegen wehre ich mich!
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