Vechta – interessanter 1. Mai beim Pferd

Hallo,

mein Name ist Guido und ich bin Teil des Teams der ALSO, der Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg.

Wir beraten und unterstützen Menschen mit geringen Einkommen und in schwierigen Lebenslagen im Landkreis Vechta. Ich selbst bin für die Beratungsgespräche in Deutsch und Englisch verantwortlich. Meine KollegInnen helfen mir mit der Beratung in anderen Sprachen und beraten selbst z. B. in Arabisch, Bulgarisch, Litauisch, Rumänisch.

Aber wir beraten nicht nur, wir lernen selbst sehr viel.

Wir lernen sehr viel darüber, wie umfassend die Ausbeutung und Ausgrenzung insbesondere von den Menschen im Landkreis Vechta ist, die noch nicht lange hier leben, die die deutsche Sprache nicht beherrschen. Über Arbeitsausbeutung wurde heute schon viel gesprochen.

Wir erfahren viel von der Ausgrenzung am Wohnungsmarkt, im Gesundheitssystem, bei Krankenkassen und Ärzten.

Wir erfahren von der Diskriminierung von Kindern in Schule und Kindertagesstätte, von Erwachsenen beim Sprachkursanbieter.

Hier unterstützen wir durch Begleitung und Beratung und treffen auch viele Personen aus dem Landkreis, die sich für die Unterstützten engagieren und kostenlos einsetzen. Aber dieses Engagement kann nicht verheimlichen, dass in einem Landkreis, der seinen Reichtum seit Jahrzehnten allein einer vielsprachigen Bevölkerung verdankt, die Angebote von Behörden und Leistungsträgern, von Ärzten und Krankenhäusern, von Beratungsstellen und Wohnungsanbietern beinahe ausschließlich in deutsch vorgehalten werden.

Die ehrenamtlichen Übersetzer, die wir treffen, können bei allem Engagement diese Lücke nicht schließen. Dass es diese Lücke, diese Ausgrenzung durch Sprachbarrieren, gibt, ist offenkundig und überall bekannt. Aber wer handelt? – außer den Ehrenamtlichen. Auch diese werden allein gelassen.

Mehrsprachigkeit muss die Regel in allen Behörden und Institutionen werden. Sie muss geplant und sichergestellt werden. Es darf nicht länger dem Zufall überlassen sein, dass einzelne Mitarbeiter neben Deutsch eine zweite Sprache beherrschen.

Mehrsprachigkeit nicht anzubieten heißt die Ausgrenzung durch Sprache fortzuführen. Es bedeutet, Ausbeutung von MigrantInnen überall dort möglich zu machen wo sie auf der Ausgrenzung durch Sprache beruht.

Ganz eindringlich erleben wir die Ausgrenzung und Ausbeutung migrantischer ArbeiterInnen durch Vermieter:

• Das fängt bei der regelmäßigen Ausgrenzung bei den eh schon wenigen Wohnungsangeboten an.

Mit einem ausländischen Namen habe ich bei der Wohnungssuche kaum eine Chance, auch nur zu einer Wohnungsbesichtigung vorgelassen zu werden. „Die Wohnung ist schon weg“ heißt es dann.

• Weiter geht’s beim Mietpreis: Vermieter nutzen den Wohnungsmangel um völlig überhöhte Preise zu verlangen – und was es dafür gibt sind dann oft nur Schrottimmobilien:

– Schimmel, undichte Dächer,

– 1.000 € für 65 qm oder 500 € für 17 qm

– oder 250 € bis 300 € je Bett mit Küchenbenutzung.

Das sind typische Beispiele für die Wohnsituation von MigrantInnen.

Eine Lehrerin wunderte sich, dass ihre Schüler ständig mit Atembeschwerden zur Schule kommen. Uns wundert dies nicht.

Wir haben Zimmer im Kreuzweg in Vechta gesehen. Die OV hat ausführlich berichtet:

– Wasser lief bei Regen die Zimmerwände herab, tropfte von den Zimmerdecken, sammelte sich am Fußboden,

– von Schimmel schwarze Wände,

– eine elektrische Anlage, die lebensgefährlich war

– und ein Vermieter, der diese Missstände nicht abgestellt hat.

Nachbarn sagten uns, dass alle diese offenkundigen Zustände gekannt haben mussten. Auch die Stadtverwaltung in Vechta!

Gehandelt wurde im Frühjahr 2017 erst nach der Berichterstattung in der Oldenburgischen Volkszeitung:

– zahlreiche Zimmer wurden vom Gesundheitsamt für unbewohnbar erklärt.

– Die Feuerwehr hat andere Teile des Gebäudes wegen Gefahr für Leib und Leben bei einem Brand gesperrt.

Mehr als 40 Menschen haben dort gewohnt, auch Familien mit Kindern!

Ein Unternehmen hat für seine dort bisher lebenden Mitarbeiter inzwischen wohl Wohnungen gefunden.

Doch bis heute fehlen noch immer Wohnungen für BewohnerInnen vom Kreuzweg.

Wir suchen zu sofort, spätestens zum 1. Juni, mindestens vier Wohnungen, für Alleinstehende, für Zwei- und Drei-Personen-Haushalte, die den Kreuzweg dringend verlassen müssen.

Sprecht uns am Infostand an. Meldet uns Wohnungen per Telefon oder Mail und gebt uns Hinweise auf freien Wohnraum.

Und den Verantwortlichen im Landkreis sagen wir:

Es fehlen hunderte von Wohnungen, für Einzelpersonen, aber auch für Familien. Diese arbeiten hier, sie wollen hier bleiben, da es für sehr viele von ihnen in ihren Herkunftsländern keine Perspektiven gibt.

Diese Menschen brauchen Wohnungen für ein Wohnen in Würde statt feuchte und überteuerte Unterkünfte oder Betten zu Wucherpreisen.

Das gilt für den gesamten Bereich des Oldenburger Münsterlands.

Diese Verhältnisse sind der Untätigkeit der Verantwortlichen im Oldenburger Münsterland geschuldet. Dieser Makel haftet ihnen an.

Ein Schweigen dazu darf es nicht länger geben!

Lasst uns gemeinsam kämpfen für ein Leben und Arbeiten in Würde! Hier! In allen Ländern der EU! Weltweit!

Gesundes Wohnen ist ein Menschenrecht. Es muss auch in Vechta garantiert werden!

Wir wissen dass wir breite Bündnisse brauchen um die heutigen Verhältnisse drastisch zu ändern. Wir freuen uns daher sehr, dass heute auch die AktivistInnen der Kampagne gegen Tierfabriken mit dabei sind. Denn wir wissen, gegen das Elend von Menschen, das Tierleid und die Vernichtung der natürlichen Ressourcen werden wir nur er in breiten gesellschaftlichen Bündnissen erfolgreich sein.

Wir wünschen allen einen solidarischen und kämpferischen 1. Mai

und unser allem Einsatz viel Erfolg

ALSO, 1. Mai 2017

Der Flyer der Kampagne gegen Tierfabriken Niedersachsen:

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