Terrorgruppe ISIS – Genozid an Yeziden

Für IBIS leitete Ilya Janc (im Bild links) die Veranstaltung ein, zur aktuellen Lage im Nord-Irak und besonders der Bevölkerungsgruppe der Yeziden berichtete Dr. Adnan Zian Farhan, der dazu vor wenigen Tagen aus dem Nord-Irak nach Deutschland kam.

Hinter dem Morden und Vertreiben hundertausender Menschen, hinter Versklavung und Verkauf hunderter yezidischer Frauen und Mädchen durch ISIS, scheint ein brutales Kalkül der ISIS-Leitung zu stehen (ISIS = "Islamischer Staat im Irak und al-Sham", siehe unten).
Die inzwischen von der nun als "IS" bezeichneten Organisation (= "Islamischer Staat") ausgelöste Massenpanik und -flucht in die kurdischen Gebiete und darüber hinaus bindet die Kräfte derjenigen, die bislang den Vormarsch der ISIS eingrenzen konnten: Die Kräfte der Kurdischen Organisationen im Nord-Irak, aus der Türkei und Syrien.
Die im Irak liegende Autonome Region Kurdistan war lange die einzige sicher scheinende Zuflucht und Schutz für flüchtende Yeziden und Christen bietende Region, in die Menschen sich aus anderen Teilen des Irak retten konnten.
Während die kurdischen Organisationen nun für hundertausende Flüchtlinge und zehntausende in karge Bergregionen Geflohene Sorge tragen müssen, scheint für IS der Weg frei zu ihrem nächsten strategischen Ziel, der Einnahme von Arbil, einem zentralen politischen und wirtschaftlichen Zentrum der selbstverwalteten Kurdengebiete im Irak. Dabei kann sich die ISIS inzwischen auf moderne und gepanzerte Kampf-Fahrzeuge stützen, die sie teils erbeutet hat, teils gesponsert bekommen soll.
Da die ISIS massenhaft Material aus westlichen Waffenschmieden, aus Europa, Deutschland und den USA, einsetzt, ist klar, wer mal wieder an einem Krieg verdient.

Soweit die kurze Zusammenfassung der Veranstaltung von IBIS und Yezidischem Forum Oldenburg vom 7. August.

Wir dokumentieren nachfolgend eine Ausarbeitung zu ISIS, erstellt von jungen AktivistInnen der Interkulturellen Arbeitsstelle IBIS (Klävemannstr. 16 in Ol.).

 

Terror durch ISIS

Was ist die ISIS? Was bedeutet IS?
ISIS ist eine radikale Terrorgruppe, die im Irak und in Syrien aktiv ist. Sie gilt derzeit als eine der brutalsten Terrorgruppen im arabischen Raum. Die religiösen Grundlagen und Gebote des Islams werden von ISIS willkürlich interpretiert und umgesetzt. Hiermit rechtfertigen sie ihre gewalttätigen und extremistischen Handlungen auf politischer Ebene. Die Abkürzung ISIS steht für "Islamischer Staat im Irak und al-Sham". Das arabische Wort "sham" - deutsch häufig mit "Großsyrien" übersetzt - bezeichnet dabei ein Gebiet, das die islamischen Länder östlich vom Mittelmeer bis zum Euphrat umschließt. Die Terrorgruppe ISIS gehört der Religionsgruppe der Sunniten an und kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat zwischen Mittelmeer und Irak. Durch Terroranschläge der ISIS kamen laut US-Regierung vergangenes Jahr mehr als 7.000 Menschen im Irak ums Leben.

Geschichte der IS

IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe "Tawhid und Dschihad" hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Die Gruppe griff im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. An Macht gewann die IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Vor allem im Nordosten Syriens greift IS syrisch-kurdische Städte an und tötet die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die IS vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung unter Nuri Al-Maliki mit den sunnitischen Parteien des Landes.

Aufbau und Finanzierung der IS

  • Erster Anführer war der Jordanier Abu Mussab Al-Sarkawi bis zu seinem Tod 2006 durch die US-Armee
  • Seitdem führen Iraker die Organisation.
  • Seit 2010 ist der Iraker Abu Bakr Al-Bagdadi an der Spitze der IS.
  • Truppenstärke der IS im Irak wird auf 10.000 bis 15.000 Mann geschätzt.
  • In Syrien gibt es zwischen 3.000 bis 8.000 Anhänger.
  • Wichtigste Quellen der Finanzierung waren bisher die Unterstützung von Saudi-Arabien sowie Katar, Kuwait und der Vereinigten Arabischen Emirate.
  • Zweite Finanzierungsquelle der IS sind Erdölfelder im Norden Syriens. IS hat Quellen unter ihre Kontrolle gebracht und exportiert das Erdöl in die Türkei.
  • Bei Einnahme der nordirakischen Stadt Mossul hat die IS in der dortigen Zentralbank 500 Milliarden irakische Dinar erbeutet (mehr als 420 Millionen US-$).

Was für Ziele verfolgt die IS?

  • Ehemaliger Name ‚Islamischer Staat im Irak und der Levante" verdeutlicht Ziel der Errichtung eines grenzüberschreitenden Kalifats.
  • Basis ausschließlich nach ihnen interpretiertes islamisches Gesetz.Zur Lage im Nord-Irak
  • Staat soll vom Mittelmeer bis in den Irak reichen.
  • Zwischenziel der Miliz ist der Marsch auf Bagdad.
  • Letzte Kalifat wurde von türkischer Regierung 1924 abgeschafft.

Situation der Minderheiten

  • Moderaten Sunniten, Christen, Schiiten und Yeziden wird mit Tod gedroht, wenn sie nicht konvertieren.
  • Christliche Einwohner Mossuls wurden aufgefordert zum Islam zu konvertieren oder eine Sondersteuer zu zahlen damit sie bleiben dürfen. Eine Woche später mussten sie Mossul verlassen um nicht umgebracht zu werden.
  • Mehrere hunderttausende Iraker sind auf der Flucht, die meisten sind Angehörige der Minderheit der Yeziden.
  • Situation der Flüchtlinge im Nordirak ist dramatisch: 30.000 Familien sitzen ohne Nahrung und Wasser in den Bergen fest. Mehrere Menschen sind bereits gestorben.
  • Yawar spricht von nochmal 50.000 Yeziden, die ohne Essen und Trinken in den Bergen festsitzen. Seit 05.08.14 suchten noch zusätzlich 200.000 Menschen Schutz im Umland.
  • Seit die nordirakische Stadt Sindschar von IS eingenommen ist wurden 500 Männer der Glaubensgemeinschaft getötet.
  • Gemeinsam wollen kurdische Kämpfer aus Irak, Türkei und Syrien gegen IS vorgehen. Offensive soll in der nordirakischen Region Mossul starten.

IS im Irak

  • Sunnitische Minderheit im Irak hat schwache Stellung, davon profitiert IS.
  • Sunniten fühlen sich benachteiligt.
  • Ministerpräsident al-Maliki (Schiit) hat seine Arbeit hauptsächlich auf Machterhalt konzentriert, als sich dafür einzusetzen die Spannungen zwischen Mehrheit der Schiiten und Minderheit der Sunniten abzubauen.
  • Sunniten stellen nur einen Drittel der muslimischen Araber im Irak dar.
  • Unzufriedene Sunniten schließen sich IS an.
  • IS zerstört strategisch sunnitisch geprägte Städte, um diese zu destabilisieren und Anhänger zu gewinnen.
  • Nach Parlamentswahlen 2014 noch keine neue Regierung, dies führte zu einem ‚Machtvakuum", welches die instabilen Verhältnisse verstärkt und die IS profitieren lässt.
  • Anfang Juni 2014 haben IS-Extremisten große Gebiete nördlich und westlich der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul erobert.
  • Region ist Haupthandlungsgebiet der kurdischen Yeziden, Angehörige monotheistischer Religion -> von vielen Muslimen als ‚Ungläubige" und ‚Teufelsanbeter" betrachtet.
  • Städte Sindschar und Sumar an Grenze zu Syrien erobert, mehrere Ölfelder und angeblich Kraftwerk das große Teile des Irak mit Strom versorgt Ereignisse lösten Massenflucht vor Gewalttaten und Schreckensherrschaft der Extremisten aus, laut der Vereinten Nationen flohen etwa 20.000 Menschen.
  • Unter Flüchtlingen vor allem Mitglieder der religiösen Minderheit der Yeziden.

IS in Syrien

  • In Syrien kontrolliert IS bereits ein Drittel des Landes und rückt weiter vor.
  • Nahm Basis eines Regiments der Regierungstruppen im Nordosten Syriens ein und haben Standort Mailabijeh nahe der Stadt Hasakeh unter ihre Kontrolle gebracht.

Quellen 

http://www.mdr.de/nachrichten/terrorgruppeisis
http://www.tagesschau.de/ausland/isis
http://media.tagesschau.de/audio/2014/0623/AU-20140623-1607-2601.mp3: (Thema: ISIS, reichste Terrorgruppe der Welt; Was und wer finanziert ISIS)
http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-06/kalifat-isis
http://www.dw.de/isis-k%C3%A4mpfer-vergr%C3%B6%C3%9Fern-ihren-einfluss-in-syrien/a-17811664
www.Spiegel.de
www.uno-flüchtlingshilfe.de www.n24.de
www.deutschlandradiokultur.de
www.idowa.de
www.ezidipress.com

 


Ergänzende Hinweise:

  • Eine Darstellung der Angriffe des 'Islamischen Staates' auf die von Kurden bewohnten Gebiete in Syrien, erstellt vom Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit, wurde unter nadir.org  veröffentllcht.
  • Ein Video zu den kurdischen Verteidigungskräften der YPG (Volksverteidigungseinheiten) und der YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) hat der links-unabhängige Blog für Oldenburg und umzu, "regentied", unter dem Titel "♫ biji ypg" eingestellt.
  • Ihre Eindrücke zur Lage der Flüchtlinge im Nord-irak und Syrien und zum Vorgehen der Organisation "IS" schildert eindrücklich Ulla Jelpke im D-Radio-Interview vom 9. 8. Ulla Jelpke war in diesem Moment vor Ort. Sie ist innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Partei "Die Linke". 

 

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