"Schmuddel-Image"

Und ewig stinken die Felder

Landkreise wie Cloppenburg gehören zu den reichsten Deutschlands. Nun "leidet (diese Region) unter ihrem schlechten Ruf". Wie die NWZ formuliert, sollen dazu "wiederkehrende Berichte über Tierquälerei, über Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte in den Schlachthöfen oder über Umweltbelastungen, die von der Landwirtschaft ausgehen, beitragen".

Wir sagen dazu:

1. Wir freuen uns, dass wir auch unseren kleinen Teil zu den Berichten über die tatsächlichen Zustände in Süd-Oldenburg beitragen konnten.

2. Es sind nicht die "Berichte", die den schlechten Ruf begründen, sondern die Verhältnisse in Süd-Oldenburg selbst. Hinzu kommt das Schweigen derjenigen, die dort innerhalb der üblen Verhältnisse immer reicher und reicher wurden und werden. Das sind neben den Konzernen z. B. auch die Besitzer von den Immobilien, in denen Ernte- und SchlachthofmitarbeiterInnen elendst untergebracht werden.

3. Für die Verpestung der Region ("… und ewig stinken die Felder …") ist wohl weniger die "Landwirtschaft" verantwortlich, als vielmehr die Agrarindustrie, nämlich insofern als dieser die Idee eines nachhaltigen Wirtschaftens unter Erhalt der Bodenfruchtbarkeit auf selbst bewirtschafteten Flächen gänzlich wesensfremd scheint - mit allen von dieser Wirtschaftsweise ausgehenden Konsequenzen wie Vergiftung des Trinkwassers, Eintrag von Antibiotika, Verdichtung der Böden, Vernichtung der Artenvielfalt wie auch der massenhaften Vernichtung bäuerlicher Existenzen. Schaubild zu Höfesterben und Produktionskonzentration im Bereich der SchweinebauernZuletzt wurde gemeldet (Statistisches Bundesamt), dass z. B. die Zahl der Betriebe, die Schweine mästen, seit dem Jahr 2000 auf ein Fünftel (!) (von damals rund 125.000 Betrieben auf nurmehr ca. 25.000 Betriebe) zurück gegangen ist, die Zahl der geschlachteten Schweine jedoch in diesem Zeitraum um rund 50 Prozent gestiegen ist, auf nun rund 60 Millionen/Jahr. 

4. "Imagekampagne", was soll das sein?
Gülle mit 4711, echt kölnisch Wasser versetzen?
Die Mastställe nicht nur mit Abluftfiltern versehen sondern in die Abgase dieser Produktionsstätten Lavendelduft einblasen?
Zuzutrauen wäre Imageverbesserern derartiges oder zumindest vergleichbares.

5. Nicht das Image, also das Bild, das sich Menschen von den Verhältnissen in Süd-Oldenburg machen, muss sich ändern, sondern die Verhältnisse dort selbst. Dazu gehört die Neubegründung einer bäuerlichen Landwirtschaft, die die dort arbeitenden Menschen ernährt und damit grade jungen Menschen wieder eine Perspektive in diesem Bereich eröffnet. Das gilt für Süd-Oldenburg genau so wie z. B. für die Länder, aus denen die ArbeiterInnen stammen, die heute dort den Reichtum schaffen, während und indem sie ausgebeutet werden. Zu dieser Perspektive gehören genauso Einkommen aller Menschen (auch derer, die hier leben) auf einem Niveau, das allen ermöglicht sich von fair erzeugten Lebensmitteln zu ernähren. Das heutige Hartz-IV- und Niedriglohn-Niveau, unter dem gut ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland lebt, schreibt jedoch die Billigproduktion der Agrarindustrie fort indem sie deren Grundlage, den Absatz von Billigstnahrung, sichert.  Nahrung darf daher nicht mehr Spekulationsobjekt und Mittel zum Profit sein, sondern der Befriedigung des Bedürfnisses nach einer in Menge und Qualität guten Ernährung. Wenn das nicht der leitende Zweck der Landwirtschaft wird, wird der Hunger von Millionen und die Landvertreibung der BäuerInnen weltweit fortgeschrieben. Das Einkommensniveau der breiten Bevölkerung darf daher nicht mehr Grundlage für eine profitable Exportwirtschaft sein sondern allen, auch denjenigen, die uns ernähren sollen, ein gutes Leben ermöglichen.

6. Sind wir gespannt auf das Image-Papier? Ich weiss nicht.

 

(Oben eingefügtes Schaubild: Aufnahme vom 17. 1. 2015 bei Soup & Talk in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin)

Das Gutachten liegt vor - Was tun?

Beachtung fand die Vorstellung des Gutachten zumindest in den regionalen Medien (dazu mehr ganz unten). Der Tenor war dabei: Mehr als Image-Arbeit sei jedoch notwendig - so inzwischen auch offizielle Repräsentaten, wie vorsichtig auch immer, im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Image-Gutachtens nicht mehr herum:

Radio-Bremen zitierte Vechtas Landrat Herbert Winkel mit folgenden Worten:
"Wir haben unseren Wohlstand der Agra- und Ernährungswirtschaft zu verdanken. Von daher glaube ich nicht, dasss es realistisch ist binnen, fünf Jahren alles umwandeln zu können. Ich glaube aber, dass wir als Landkreis bei den Rahmenbedingungen etwas tun können, zum Beispiel im Bereich Niedriglöhne (...), um uns imagemäßig zu verbessern."

Bild des Aufklebers Achtung Industriefleisch!Und Torsten Kirstges, Autor der Studie, wird im oben genannten Radio-Bericht sinngemäß mit den Worten angeführt, gutes Image käme nicht von ungefähr, dafür müsste sich in der Realität wirklich etwas ändern. Im Wortlaut heißt es dort:

"Der Autor der Studie, Prof. Torsten Kirstges, ist der Meinung, dass der öffentliche Druck auf die industrielle Fleischproduktion noch zunehmen wird:
«Deswegen tut die Region gut daran, allein aus wirtschaftlichen Überlegungen, qualitativ auf eine hochwertigere und auch hochpreisigere Fleischproduktion umzuschwenken.»
Die Region müsse, laut Kirstges, mittel- bis langfristig versuchen, die Tier- und Fleischproduktion ökologisch nachhaltiger zu gestalten."

Diese Aussagen zeigen, Druck wirkt - wieweit er aber bereits heute tatsächlich reicht?
Nach einer Agrarwende klingt das beileibe aber noch nicht - schon gar nicht, wenn dort einfach "Hochpreisigkeit" in den Raum gestellt wird, nicht aber zugleich die Kritik an Niedrigsteinkommen. Und was die Genannten unter "ökologisch nachhaltiger" wirklich verstehen, wäre auch noch zu klären.

Bild: Deckblatt des Hausaufgabenheftes für die AgrarwendeEine wirkliche Agrarwende bleibt demgegenüber eine erheblich größere Aufgabe. Ein Hausaufgabenheft für die Agrarwende legte nun die aktion agrar aus Verden vor, einschließlich dort nachlesbarer Aktionsideen. Das Heft kann dort bestellt werden, um eine Spende wird gebeten:
Artilleriestr. 6, 27283 Verden, info@aktion-agrar.de

(Die hier eingebauten Illustrationen stammen aus dem Hausaufgabenheft, sie wurden gestaltet von Wolf-Rüdiger Marunde.)

Bild des Aufklebers: Auf zur Agrarwende der Aktion Agrar

Image-Studie zum Download

Auf der Seite des Landkreises Cloppenburg

http://www.lkclp.de/kreis-politik/zahlen-daten-fakten/downloadangebote.php#anchor_3

findet sich die Studie (PDF) mit folgenden Rubriken:

  • Bekanntheits-, Image- und Markenstudie für das Oldenburger Münsterland - Kurzfassung 3734 KB
  • Bekanntheits-, Image- und Markenstudie für das Oldenburger Münsterland - Presse-Handout 1918 KB
  • Bekanntheits-, Image- und Markenstudie für das Oldenburger Münsterland - Projektbericht (vollständige Fassung) 7701 KB
  • Bekanntheits-, Image- und Markenstudie für das Oldenburger Münsterland - Anhang zum Projektbericht (vollständige Fassung) 9501 KB

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