Schlachter leben weiter in Dreck & Schutt

Leben zwischen Schutt und Dreck

Der Mindestlohn in der Fleischindustrie gilt. seit dem 1. 8., viele Landkreise (CLP, VEC, OS, Emsland) und das Land Niedersachsen haben Standards für Unterkünfte erlassen. Trotzdem reissen die Berichte über die Ausbeutung und Entwürdigung von ArbeiterInnen in der Schlachtindustrie nicht ab. Das dies nicht anders zu erwarten ist, erklärt ein Leserbrief an die NOZ, den wir hier abdrucken.

"Es ist sehr gut, dass die NOZ ein Jahr nach dem Besuch von Ministerpräsident Weil in Badbergen nachhakt und die vermeintlichen Verbesserungen hinterfragt. Nur allzu oft werden Missstände nach ihrer Aufdeckung und den Lippenbekenntnissen der Verantwortlichen, alles werde in Ordnung gebracht, schlicht vergessen und verschwinden wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein. Dass sich an den Wohn- und Arbeitsbedingungen in der Schlachtindustrie in diesem einen Jahr anscheinend nicht viel verändert hat, ist skandalös! Wundern muss man sich aber nicht darüber, denn die Grundausrichtung der niedersächsischen Fleischerzeugung, die Belieferung des Weltmarktes und auch der deutschen Handelsketten mit Massenware zu Dumpingpreisen, hat sich ja auch nicht verändert. Wenn man auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein will, muss man auch zu Weltmarktpreisen produzieren, und dazu müssen alle Möglichkeiten der Kostensenkung genutzt werden. Dazu gehört neben der Intensivierung der Landwirtschaft mit allen negativen Begleiterscheinungen für Umwelt, Tiere und Landwirte eben auch die rigorose Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte. Wer zu den Preisen beispielsweise des Schwellenlandes Brasilien Fleisch liefern will, muss auch Arbeitsbedingungen wie in einem Drittweltland in Kauf nehmen. Solange wir nicht weg von der Billigproduktion hin zu einer Erzeugung von hochwertigen Lebensmitteln zu angemessenen Preisen für den heimischen Markt kommen, wird sich die Lebenssituation der Schlachthofarbeiter nicht grundlegend verbessern. Mit diesem Makel muss die Fleischbranche leben, aber auch die Politik und die Gesellschaft, die diese Zustände immer noch duldet."
Ottmar Ilchmann, Rhauderfehn

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