Probleme vertuscht

Erfolgreich werden die eigentlichen Probleme vertuschtDusche
„Echo"-Beitrag des „Forum Soziale Energiewende" zum NWZ-Artikel „Energieberater finden viel Schimmel an den Wänden" vom 22. August 2014

Mehrmals wurde das Projekt „Stromspar-Check" als erfolgreich dargestellt. Acht „Energiesparberater" sind im Auftrag von Stadt und Caritas in Oldenburger Hartz-IV-Haushalten unterwegs, um „Stromfresser" aufzuspüren und Tipps zum Energiesparen zu geben.
Nicht erwähnt wird, dass Hartz-IV-Haushalte im Durchschnitt weniger Energie verbrauchen als vergleichbare Haushalte, dass sie in Oldenburg pro Person im Durchschnitt 12 m2 Wohnfläche weniger zur Verfügung haben, dass im Regelsatz für eine vierköpfige Familie für die gestiegenen Stromkosten rund 240 Euro und für Unterkunfts- und Heizungskosten rund 432 Euro pro Jahr einfach fehlen. Nicht erwähnt wird, dass die Stadt Oldenburg im Jahr 2013 auf Kosten der Hartz-IV-Haushalte fast zwei Millionen Euro eingespart hat, weil das Jobcenter im Durchschnitt monatlich rund 17 Euro der tatsächlichen Unterkunfts- und Heizungskosten für die rund 9.500 Bedarfsgemeinschaften nicht anerkennt. Nicht erwähnt wird, dass die „Energieberater" für 1,50 Euro Aufwandsentschädigung statt für den gesetzlichen Mindestlohn arbeiten und nach einem halben Jahr wieder arbeitslos sind. Sie machen ihren Job gern - würden sie ihn qualifiziert, tariflich bezahlt und mit Perspektive nicht noch lieber machen?
Dazu kommt nun die erschreckende Bilanz: 18 Prozent der Wohnungen von Hartz-IV-BezieherInnen in Oldenburg sind von Schimmel befallen, in 17 Prozent sind die Fenster merklich undicht.
Es wird aber nicht gefordert, dass die Hartz-IV-Sätze endlich angehoben werden müssen, um eine menschenwürdige Grundversorgung mit gesundem Wohnraum, Strom und Heizung zu ermöglichen. Stattdessen wird das Verteilen von Energiesparlampen und Steckerleisten als Erfolg gefeiert. Hilfen, die eigentlichen „Stromfresser" wie alte Kühlschränke und Waschmaschinen zu ersetzen, werden nicht angeboten. Das Projekt lenkt erfolgreich von strukturellen Problemen und unnötigem Energieverbrauch ab und vermittelt den falschen Eindruck, dass die Armen Energie verschwenden würden.
Das Oldenburger „Forum Soziale Energiewende" hat in einer Broschüre mit dem Titel „Die im Dunkeln sieht man nicht?" ein paar Fakten zur Verarmung durch Mieten und Energiekosten in Oldenburg zusammengetragen und zeigt auf, wie sofort gehandelt werden könnte. Die Broschüre ist zu beziehen über die ALSO (also@also-zentrum.de).

Für das „Forum Soziale Energiewende": Michael Bättig

Deckblatt der im Beitrag angesprochenen Broschüre

Seht auch unseren Beitrag Also schlägt Alarm.

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