Kein Bauer braucht 1.000 Kühe

Anlass war ein Treffen zwischen Großagrarier Meyer-Hullmannn, der einen Industriekuhstall für annähernd 1.000 Kühe direkt an der Ortsgrenze Rastedes beantragt hat, mit dem Gemeinderat Rastede und dem Landrat.

Gemeindegremien haben das Bauvorhaben bereits abgelehnt, haben aber nicht das letzte Wort.

Argumente der örtlichen Bürgerinitiative und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft gegen die weitere Steigerung der Milchmengen-Überproduktion:

1. AbL unterstützt Rastedes Widerstand gegen Milchvieh-Agrarfabrik  

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) unterstützt den Widerstand von Bürgern, Gemeinderäten und Verwaltung des Residenzorts Rastede gegen den Bau einer agrarindustriellen Milchviehanlage, die mit zusätzlichen 918 Plätzen die bei weitem größte im Ammerland sein würde. Die Aussichten der Verhinderung dieses nicht nur bürger- sondern auch bauernschädlichen Projekts seien gut, weil laut neuem Bundesbaugesetz solche gewerblichen Anlagen ohne die Erstellung eines gemeindlichen Bebauungsplans nicht zulässig seien.

Der Investor, der bereits eine Milchviehanlage mit 350 Milchkühen betreibe und zudem laut Handelsregister über eine GmbH an weiteren „Landwirtschaft betreibenden Kommanditgesellschaften“ beteiligt sei, sei gut beraten, seinen Antrag im Interesse von Anwohnern, Umwelt, Region und Berufskollegen rasch zurückzuziehen. Bürger und Bauern hätten im bundesweiten Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ schon etliche solcher Milchvieh-Fabriken erfolgreich verhindert.   

Dass es sich hier nicht um einen landwirtschaftlichen Betrieb mit ausreichender Futterfläche handele, werde die Landwirtschaftskammer bei ihrer laufenden Überprüfung mühelos feststellen, weil ein großer Teil der Betriebsflächen schon durch den Maisanbau für eine Biogasanlage belegt sei und der Investor nicht einmal das Stroh und die Maissilage für den geplanten Stall selbst erzeugen könne sondern zukaufen wolle. Aus diesem Grund plane der Betrieb wohl auch, die Aufzucht der 14 Tage alten Kälber auf einen anderen Betrieb auszulagern. Zu überprüfen sei auch, ob Pachtverträge des Antragstellers die geforderte Restlaufzeit von 18 Jahren aufwiesen.

Die AbL bezeichnete es als verantwortungsbewusst, dass die Gemeinde Rastede zusätzlich zu ihrem Nichteinvernehmen eine unabhängige Überprüfung der Immissionen plane. Dies sei angesichts der nur 160 Meter entfernten Wohnbebauung, der Vorbelastung durch andere Immissionsquellen und der vom Antragsteller bereits eingestandenen Umweltwirkungen auf einen benachbarten Wald wichtig.   

Die Behauptungen, der Investor wolle mit der Mega-Anlage den „Ansprüchen der Tiere besser gerecht werden“ und „eine zukunftsfähige Milchproduktion aufbauen“, bezeichnete der AbL-Landesvorsitzende und Milchbauer Ottmar Ilchmann als vorgeschoben. Weder sei in diesen Dimensionen eine Weidehaltung überhaupt nur denkbar noch sei eine unsinnige und schädliche Überschuss-Produktion von Milch auch nur irgendwie zukunftsfähig oder gar nachhaltig. 

Angesichts der schon jetzt nicht kostendeckenden Erzeugerpreise für Milch und der auslaufenden Milchquote ohne neue Mengenregulierung würden derzeit „gierige Amokmelker und Agrarindustrielle“ ein unsinniges Wachstum der Milchüberschüsse anheizen – in der irrigen Hoffnung, auf Kosten der Marktanteile und auch der Pachtflächen ihrer Berufskollegen letztlich übrig zu bleiben. „Gefragt ist stattdessen eine Stärkung der Marktposition der Milchbauern durch starke Erzeuger-Gemeinschaften gegenüber den Molkereien und durch erzeugerpreiswirksame Instrumente der bedarfsorientierten Mengenregulierung“, so Ilchmann. Der Weg in die Agrarindustrie gehe zu Lasten der bäuerlichen Struktur ländlicher Regionen und der Akzeptanz der gesamten Landwirtschaft. 

2. Die BI-Rastede – Kuhdorf Nein Danke ruft auf zu einer Kundgebung vor dem Rathaus in Rastede anlässlich eines Treffens zwischen Großagrarier Meyer-Hullmannn, dem Gemeinderat Rastede und dem Landrat

Gut zwei Wochen nach der öffentlichen Bauausschusssitzung der Gemeinde Rastede, auf der einer größeren Öffentlichkeit in Rastede zum ersten Mal die Pläne des Großagrariers Christian Meyer-Hullmann aus Wahnbek bekannt gemacht wurden, regt sich weiterer lautstarker Protest unter den Rasteder Bürgerinnen und Bürgern. Nachdem bereits in wenigen Tagen mehrere tausend Unterschriften gegen den geplanten Industriekuhstall mit annähernd 1000 Kühen direkt an der Ortsgrenze von Rastede gesammelt wurden und die BI Rastede - Kuhdorf Nein Danke auf einer Bürgerversammlung unter großer öffentlicher Teilnahme gegründet wurde, sind weitere Aktionen in der kommenden Woche geplant.

Vor dem Hintergrund der angeführten Protestwelle in Rastede hat der Ammerländer Landrat Jörg Bensberg zu einem Vermittlungsgespräch zwischen dem Investor Christian Meyer-Hullmann und dem Gemeinderat Rastede, der das geplante Projekt ebenfalls einstimmig ablehnt, im Rathaus in Rastede gebeten.  Geladen ist am 29.7.13 um 17 Uhr. Angesichts des massenhaften Protests der RastederInnen haben sich auch Vertreter der Bürgerinitiative um die Teilnahme an diesem Gespräch bemüht – immerhin geht es um die originären Interessen der Bürgerinnen und Bürger, über die nicht einfach in den Hinterzimmern der Lokalpolitik verhandelt werden kann. Dieses Ansinnen ist sehr zum Bedauern der Bürgerinitiative abgelehnt worden, so dass den Rastedern am kommenden Montag nur noch der öffentliche Protest in Form einer Kundgebung zeitgleich vor dem Rathaus bleibt, um die Ablehnung der von Meyer-Hullmann eingereichten Pläne eines industriell geführten landwirtschaftlichen Betriebs zu fordern.

Die BI Rastede ruft deshalb die Rasteder zu einer Kundgebung am 29.7.13 um 16.30 Uhr vor dem Rasteder Rathaus auf.

Zur Auswertung der Kundgebung und der Beratung über das weitere Vorgehen der Bürgerinnen und Bürger Rastedes trifft sich die Bürgerinitiative zu ihrer öffentlichen Sitzung am Dienstag, den 30.7.2013 um 20 Uhr im Residenzhotel „Zum Zollhaus“. 

Sabine Brandt, Dr. Thomas Neumann, Rastede, 25. Juli 2013, bi-rastede@gmx.de

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