30. 11. in der ALSO: Europa und sozialer Widerstand

Perspektiven des Widerstandes dort, wo Wirtschaftswachstum und Prekarisierung Hand in Hand gehen

Die ALSO (Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg) lädt ein für den 30. November:
Initiativen, die analysieren und eingreifen

Wir freuen uns auf VertreterInnen der Kampagne "Boycott Workfare"* (diese ist Mitglied der London Coalition Against Poverty, LCAP).

Die Kampagne setzt sich – quer durch's Vereinigte Königreich – für ein Ende erzwungener Arbeit ohne Lohn ein, die Sozialleistungsbeziehenden abgepresst wird. Denn von dieser erzwungenen Arbeit ohne Lohn profitieren nur die Reichen. Denn diese können sich so die Kosten von Arbeitsvertrag-Arbeitskräften sparen. Zugleich risikieren Sozialleistungsbeziehende, die derartige Arbeiten ohne Lohn für ihren Lebensunterhalt verweigern, ihren Leistungsbezug mit allem was daraus folgt.

Diese Kampagne entstand 2010 aus der Arbeit des LCAP heraus, ist eine Baisgruppenkampagne und wird getragen von Menschen mit Erfahrungen mit Workfare oder Personen, die von ihren Auswirkungen getroffen werden.

Boycott Workfare enthüllt die darunter fallenden Unternehmens- und Behördenpraktiken und startet Aktionen, um diesen Maßnahmen ein Ende zu setzen ("shut down workfare"). Im Zuge ihrer Kampagnen wird zudem offensiv über die Rechte von Sozialleistungsbeziehenden informiert.
Wer sich gleich einen Eindruck verschaffen will, schaue schon vorab auf deren Kampagnen-Seite und die dort zu findenden Berichte. Diese berichten sowohl über den Einsatz Erwerbsloser als Billigstarbeiter, z. B. als PraktikantInnen um "Erfahrung" zu sammeln, wie auch von der Willkür, mit der die dortigen Jobcenter Sanktionen verhängen.
Meine Frage bisher: Wer hat von wem abgeschaut: 'Deutschland' von Great Britain oder umgekehrt? 

Wir freuen uns weiter auf Antworten auf die Frage:

Warum kämpfen sie für Brot wo ihnen doch Gold versprochen wird?

– erklärt wird uns das an den aktuellen Protesten um ROSIA MONTANA in Rumänien.

Dazu erwarten uns Berichte und Einschätzungen zur aktuellen Bürgerbewegung in Rumänien gegen einen Tagebau zum Abbau von Goldvorkommen mittels des für alle hochgiftigen Cyanid-Auswaschungsverfahrens. Es geht um die Jagd nach Gold und andere Metalle, den Verlust tausender Existenzen durch die Vertreibung von Kleinbauern von ihrem Land, die damit einhergehende "Produktion" migrantischer ArbeiterInnen, die Ausplünderung kleiner Länder durch große Konzerne, und vor allem um das Wachsen einer Bürgerbewegung dort, wo es derartiges angeblich gar nicht geben könne, die sich – trotz aller Verleugnung durch die Medien – über viele Städte und Regionen verbreitete und der Regierung das eine um das andere Mal zu Rückziehern gezwungen hat.

Wer sich schon vorab zumindest einen ersten Eindruck verschaffen will, kann dies auch ohne rumänische Sprachkenntnisse unter <www.rosiamontana.org>, wo ausführliche Videos und Berichte, teils auch in englischer Sprache, zu finden sind. Bildergalerien, auch von den Unterstützungsaktionen vom 20. 10. 2013 z. B. in Washington DC, Turin, Berlin sind von dort aus zu erreichen. 

Wir freuen uns dazu auf Stephanie Roth (ARC2020), lange Jahre und bis heute auch in Rumänien aktiv.

Wir begrüssen Karin Baumert (Bündnis gegen Zwangsumzüge Berlin), die uns über die Lage in Berlin, Erfolge und Schwierigkeiten der dortigen Kampagne und Aktionen, die Organisation des Widerstandes gegen das Obdachlos machen und Vertreiben aus den Kiezen berichten wird.

Karin Baumert war in den 90er Jahren in Berlin Mitte als Parteilose Stadträtin für die PDS. Sie skizzierte in einem Hintergrundbericht des Deutschlandfunk die Situation der von Räumung Bedrohten einmal wie folgt:

"Was wir bemerken, ist zunächst einmal Ohnmacht und vor allen Dingen auch, was Hartz IV und Wohnen betrifft, Isolation und Rückzug. Viele Leute glauben so ein bisschen der offiziellen Ideologie, dass sie irgendwie Schuld sind an ihrem Schicksal, und glauben auch, dass sie es eigentlich noch schaffen könnten. Aber wenn sie einmal so den Weg gefunden haben zu einer Initiative oder überhaupt sich mal geöffnet haben, dann stellen sie relativ schnell fest, dass es auch den andern so geht. Und dann wird schnell aus dieser Ohnmacht Wut. Und dann merkt man diese Unruhe, die nach irgendetwas drängt."

Der politisch-ökonomische Rahmen unseres Treffens:

In und aus Europa dominieren Krisen-Nachrichten über zusammenbrechende Gesundheits- und Sozialsysteme, sechzig Prozent arbeitslose junge Menschen, Obdachlosigkeit, Verzweiflung. Die europäische Krise wirkt bis heute hart in Griechenland, Spanien, Portugal und vielen weiteren Ländern.

Jedoch auf 'unserer' Seite: „Deutschland geht es gut", die Wirtschaft wächst, die Konsumlaune steigt, die Einkommen nehmen zu.

Und gleich so, als hätte es eben nicht noch die Nachrichten über die offenkundig verheerenden Wirkungen von Sparprogrammen, von den Folgen der Aufgabe gesellschaftlich garantierter Sozialsysteme, von Tarif- und Mindesteinkommen gegeben hätte, wird von Deutschland aus allen anderen 'empfohlen' (und nach Innen praktiziert):

Weg mit Mindestlöhnen, staatliche Leistungen einschränken, Unternehmen privatisieren, Märkte freigeben.

(Bild: Guenter Hamich/pixelio.de)

Aber ist in Deutschland wirklich alles gut? Regt sich nicht auch hier Widerstand gegen Armut und Ausgrenzung, gegen Wohnungsmangel, steigende Mieten und Lebensmittelpreise, gegen Werkverträge und die sklavenähnliche Behandlung der hierher gelockten Menschen, gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft, Massentierhaltung und zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen?

Wir wollen überlegen:

Gibt es Möglichkeiten gemeinsam/koordiniert einzugreifen angesichts dieser sehr unterschiedlichen Entwicklungen?

Wie erklären wir sie uns und wo finden wir Ansatzpunkte für organisierten Widerstand?

Wo finden wir Platz für Aktionen, die Perspektiven z. B. für ein gemeinsames Europa wenn nicht gleich beinhalten, so doch zumindest andeuten?

Das wollen wir am 30. 11. mit Initiativen aus verschiedenen Städten (London, Oldenburg und Berlin) diskutieren. 

Zum Ablauf:

Wir treffen uns am 30. 11. in der ALSO (Donnerschweer Str. 55 in OL):

– ab 9.30 zum gemeinsamen Frühstück

– ab 11 Uhr Berichte und Debatten

– mit Mittagssnack ab ca. 13.45 Uhr

– danach weiterer Austausch bis ca. 18.30 Uhr,

– erwarten dann ein leckerss Essen und

– schauen danach, was der Abend noch so bringt.

Zum genauen Ablaufplan bitte hier anklicken.

Please see for more informations in the schedule.

Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit der
ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG Niedersachsen.

* Der ALSO-Webseitenpfleger entschuldigt sich dafür, dass er die Gäste aus Großbritannien zunächst als VertreterInnen des LCAP angekündigt hatte. Es ist zwar richtig, dass sie auch dort engagiert sind. Sie werden mit uns jedoch für Boycott workfare diskutieren. Entsprechend wurde die Ankündigung auf dieser Webseite am 25. 11. 2013 überarbeitet.

* One of the ALSO-Webmasters was confused - sorry for that. He wrote, representatives of the London Coalition Against Poverty would come to Oldenburg to bring reports and join the discussions. That was not correct. Correct is, that we'll come together with representatives of the UK-wide campain Boycott Workfare. We try to do our best - but sometimes it is not enough.

We look forward to the meeting in tense anticipation and hope to learn much about the struggles in Great Britain.

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