26. 11. 20 Uhr, Westerstede-Hollwege

Prof. Antônio Inácio Andrioli auf Deutschlandreise:

Großgrundbesitz und Gentechnik oder bäuerliche Landwirtschaft? Brasilien – ein Land im agrarpolitischen Wandel.

Brasilien ist der wichtigste Lieferant gentechnikfreier Soja für Europa, gleichzeitig werden auch dort in großem Stil gentechnisch veränderte Sojabohnen (= GV-Soja) angebaut. Wie ist der aktuelle Stand dieses Wettbewerbs innerhalb der brasilianischen Landwirtschaft? Wird es weiterhin möglich sein, konventionelle, gentechnikfreie Soja von der aufsteigenden Exportnation zu bekommen, oder setzt sich die Gentechnik durch? Inwieweit können politische Rahmenbedingungen und Entscheidungen von Bauern und VerbraucherInnen diese Entwicklung beeinflussen?

Es gibt viele offene Fragen und kontrovers diskutierte Positionen: Welche neuen GV-Sorten kommen in Brasilien auf den Acker? Welche Firmen sind beteiligt und wie läuft die Lobbyarbeit? Welche Bauern (Kleinbauern/Großbauern) in welchen Regionen entscheiden sich warum für welche Anbauweise? Welche Folgen hat der Gentechnik-Anbau für die Klein- und Großbauern, die Umwelt, die ländliche Entwicklung und die Indigenen? Wie rentabel ist der Anbau, wenn man hört, dass sich auch hier resistente Schädlinge ausbreiten und das Kombi-Spritzmittel Glyphosat seine Wirkung verliert? Welche Alternativen gibt es?

Ausgehend vom Süden Brasiliens gibt es seit ca. zehn Jahren einen agrarpolitischen Wandel. Neben dem klassischen Agrarministerium gibt es ein neues „Ministerium für die Entwicklung der Landwirtschaft“, das den ländlichen Raum und die Kleinbauern fördert. Konkrete Maßnahmen sind z. B. Kleinkredite, Absatzförderung in den Regionen (bspw. über Schulkantinen) und die Förderung gentechnikfreier, regionaler Saatgutsorten. Eine Entwicklung, die in Europa noch wenig bekannt ist und auch für die hiesige Agrarpolitik Vorbild sein kann. Zusätzlich sind fünf Universitätsstandorte eingerichtet worden, die zur Agrarökologie forschen und auch Landwirte ausbilden. 

Der renommierte Agrarexperte und Soziologe Prof. Antônio Inácio Andrioli ist Vize-Rektor der Bundes-Universität da Frontera Sul in Brasilien (UFFS) und hat mehrere Forschungsvorhaben zur Agrarökologie angestoßen. Zusätzlich ist Prof. Andrioli Mitglied der brasilianischen Biosicherheitskommission und damit direkt in die Risikobewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren eingebunden.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) organisiert mit Prof. Andrioli eine Rundreise durch Deutschland. Veranstaltungen sind u.a. vorgesehen in Lübeck, Westerstede (Niedersachsen), Münster, Koblenz, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Weimar und Bayern.

Den Flyer zur Veranstaltung gibt es hier. Nähere Informationen auch bei der AbL oder direkt bei Annemarie Volling, mobil: 0160/96760146, mail: gentechnikfreie-regionen@abl-ev.de.

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