Hand in Hand für eine selbstbestimmte Wirtschaft …

85 Prozent des Lebensmittelhandels sind in der Hand von fünf Konzernen. Sie bestimmen darüber, was zu welchen Preisen hergestellt werden darf und wer wie viel verdient. Jahr um Jahr wird der Druck auf die Lieferanten erhöht. REWE Vorstandschef Alain Caparros hat jüngst im Handelsblatt die Lage folgendermaßen beschreiben: „ ... die Bereinigung wird kommen. Aber bis dahin müssen wir uns in eine gute Position bringen. Der letzte, der atmet, hat gewonnen."

Wenn Caparros Recht behält, steht zu befürchten, dass es weiterhin bäuerliche Betriebe und handwerkliche Lebensmittelhersteller sind, die aufgeben müssen. Zugleich geht das kulturelle Vermögen, für das sie stehen, mit dieser Entwicklung verloren. Übrig blieben Produzenten, die dem Preisdruck der Konzerne standhalten, weil sie Menschen, Tiere und die Natur noch intensiver ausbeuten.

So darf es nicht weiter gehen: Die soziale und die ökologische Frage gehören ebenso zusammen, wie die bäuerliche Landwirtschaft und das Handwerk. Noch sichert Handwerk vielerorts die Nahversorgung, bietet Lehrstellen an und sinnstiftende, gute Arbeit. Die Marktkonzentration schwächt alle Unternehmen im ländlichen Raum. Das ist fatal, denn HandwerkerInnen sind nicht in erster Linie ihren Aktionären verpflichtet – sondern dem Wohl ihrer MitarbeiterInnen und Garant für eine Wirtschaft mit menschlichem Gesicht.

Die Marktkonzentrationsprozesse sind nicht das einzige Problem, vor dem Handwerksbetriebe stehen. Europäische Politik und Normierungsexperten maßen sich an - fern vom Alltag der Bäuerinnen, Bauern und HandwerkerInnen - über deren Arbeitsbedingungen zu entscheiden. Tatsache ist: HandwerkerInnen werden entmündigt und entmutigt und immer öfter zu Handlangern der Industrie gemacht. Dies alles bringt das Handwerk nicht nur an den Rand persönlicher und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, sondern es demotiviert Tag für Tag. Viele HandwerkerInnen bilden nicht mehr aus und suchen keine NachfolgerInnen mehr. Dabei geht es anders: Die Zusammenarbeit von Handwerk und Landwirtschaft kann außerordentlich fruchtbar sein. Das beweisen Projekte und Regionen, die eine nachhaltige Regionalentwicklung vorantreiben. Sie schaffen und sichern Arbeitsplätze und stellen herausragende, gesunde Lebensmittel her. Sie übernehmen Verantwortung für Bodenfruchtbarkeit, genetische Vielfalt ... und nicht zuletzt für die Lebensbedingungen der kommenden Generationen. Sie beweisen, ein nachhaltiger Umgang mit der Natur gehört zusammen mit Handwerkskultur und guten, fairen Produkten.

Den Zentralverband des Deutschen Handwerks und die Handwerksverbände regen wir an:

• Die Interessen des Handwerks entschlossener zu vertreten und nicht mehr Exporte sondern die Entwicklung des Binnenmarktes ins Zentrum zu stellen.
• Keine gemeinsame Sache mehr mit der Industrie zu machen und der Industrialisierung des Handwerks entgegen zu treten. Die Instrumentalisierung durch Industrie und Exportwirtschaft macht die originären Interessen und Werte des Handwerks zunichte. Wir treten für faire Wettbewerbsbedingungen und eine Rückkehr zu den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft ein. Eigentum verpflichtet und Markt braucht Regeln, sonst schafft er sich selber ab! Deshalb schlagen wir vor:
• Handwerksbetriebe, bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft und lokalen/regionalen Handel strukturell zu fördern. Regionale Wertschöpfungsketten sind für einen umfassenden Wandel des Ernährungssystems, verbunden mit regionaler Nahrungsmittelsicherheit und verbesserter Widerstandsfähigkeit unserer Versorgungssysteme, von elementarer Bedeutung.

  • Ein Wettbewerbsrecht, das Zulieferer vor Erpressungen durch Auftraggeber effektiv schützt und Konzentrationsprozesse verhindert (Deckelung von Marktanteilen).
  • Schutz von Handwerk und Kleinbetrieben vor Standardisierungs- und Normierungs- übergriffen durch Industrie und Politik. Reduzierung der Bürokratie und Dokumentations- pflichten.
  • Eine sozialökologische Steuerform: Preise müssen die ökologische und soziale Wahrheit sagen. Arbeit muss entlastet und Energie, Rohstoffe und Kapital belastet werden.
  • Eine unabhängige Forschungs- und Innovationsförderung mit transparentem, entbürokratisiertem Zugang zu Fördermitteln für das Handwerk, KMU und die bäuerlich- nachhaltige Landwirtschaft. 
Mit diesen Positionen wollen wir in einem Demo-Block der Handwerker*innen die Inhalte und Forderungen der Wir haben es satt! Demo unterstützen. Infos zur Demo: www.wir-haben-es-satt.de/start/aufruf/


Die vier Verbände:

  • Die Freien Bäcker e.V.
  • Handwerk mit Verantwortung e.V. 
  • Verband der Landwirte mit handwerklicher Fleischverarbeitung e.V. (vlhf)
  • Verband für handwerkliche Milchverarbeitung e.V. (VHM)


rufen Bäcker, Brauer, Käser, Köche, Konditoren, Landmaschinenmechaniker, Mälzer, Metallbauer, Müller, Metzger, Ofenbauer, Schmiede, Tischler, Zimmerer ... Handwerker*innen aus allen Gewerken auf, sich mit uns am 21. Januar um 11.00 Uhr am Potsdamer Platz 10 zu treffen und gemeinsam zu demonstrieren. 
Handwerk und bäuerliche Landwirtschaft: Hand in Hand für eine selbstbestimmte Wirtschaft

V.I.S.D.P.: Die Freien Bäcker - Zeit für Verantwortung e.V.
Anke Kähler, Bert-Brecht-Weg 32, 30890 Barsinghausen www.die-freien-baecker.de

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