7. Januar, Paris: Mordanschlag auf die Aufklärung

Schlagzeile der Libération vom 9.1.2015

 

Der Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo, bei dem zwölf Menschen getötet und weitere verletzt wurden, ist Ausdruck zunehmender, machistisch organisierter und geprägter Gewalt gegen die Aufklärung in gespaltenen Gesellschaften. Derartige Verbrechen mögen sprachlos machen, doch zweierlei scheint mir klar:

1. Die Attentäter selbst haben die gespaltenen Gesellschaften nicht geschaffen, aus denen sie kommen und in denen sie wüten.

2. Wer die Absichten der Attentäter vom 7. Januar in Paris und ihrer politisch-militärischen Zusammenhänge verstehen will, sollte sich nicht auf die dumme Idee bringen lassen, auf den Koran oder dessen angebliche Interpretationen zu schauen oder diese gar zu lesen. Viel mehr erklären uns dazu die weltweiten Angriffe auf Mädchen und Frauen und ihre Schulbildung wie auch die weltweit zunehmenden Morde an JournalistInnen.

Aufklärung oder Barbarei, Solidarität oder Ausgrenzung, darum geht's. 

Christ, Jezide, Moslem, Jude, Atheist … egal. Laßt Euch nicht reinlegen.

Eine befreundete Stimme aus Paris wies auf ihre Bedenken und Sorgen anlässlich der großen Demo am 11. 1. vom Place de la République zum Place de la Nation hin und fragte:

Was bedeutet ein Defilé mit François Hollande, Angela Merkel, David Cameron (...) auf einer offiziellen «Internationalen Demonstration gegen den Terrorismus»?
Ich denke, dass diese Versammlung überhaupt nicht ist, was Charb, Cabu und Wolinski wollten

(drei der getöteten Cartoonisten und Redakteure von Charlie Hebdo)
Ich befürchte die politische Wiederholung, auf die es nun hinausläuft. Die Parteien werden die Situation benutzen, aber nicht richtig. Richtig wäre, die Integrationsprobleme in Frankreich zur Sprache zu bringen. Die drei Terroristen waren Terroristen aber auch Opfer von der französischen Gesellschaft. Das ist scharf aber ein Teil von der Realität..."

Wie treffend diese mahnenden Worte sind zeigten, hier für den Bereich der BRD, die ZDF-Nachrichten des Abends des 10. Januars.
Sie begannen mit O-Tönen von in Paris befragten DemonstrationsteilnehmerInnen, die nach der Tötung der drei Attentäter hofften, dass sie nach all der Angst nun in Sicherheit seien, ließen Bilder von verstärkt in Paris patrollierenden, schwer bewaffneten, Sicherheitskräften und Berichte und Hinweise über angebliche Pannen der Ermittlungsbehörden bei der Observation der Attentäter folgen und schlossen mit Nachrichten dazu, dass Angela Merkel die internationale Zusammenarbeit der Geheimdienste verstärken wolle und Sicherheitskräfte in Nordrhein-Westfalen einen angeblichen IS-Sympathisanten festgenommen hätten.

Politik und Medienberichterstattung, die auf die gesellschaftlichen Grundlagen der Attentate zielen würden, sähen anders aus.

WEBKNECHT der ALSO

 

Eine Übersicht zu Charlie Hebdo findet sich auch bei Wikipedia

Aktualisiert am 11. 1.,

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