Der »bäuerliche Weg« ruft zur Unterstützung für Yarmouk

Wir dokumentieren die Pressemitteilung von La Via Campesina vom 7. April 2015:

La Via Campesina ist in großer Sorge über die Situation im palästinensischen Flüchtlingslager Yarmouk im Süden von Damaskus

La Via Campesina hat die jüngsten Berichte über das Eindringen extremistischer bewaffneter Kämpfer in das palästinensische Flüchtlingslager Yarmouk mit großer Sorge verfolgt. Dies geschieht, nachdem das Lager bereits unter einer seit zwei Jahren andauernden Belagerung leidet. Wir machen uns größte Sorgen um unsere Freund_innen und Partner_innen in den Nahrungssouveränitäts-Projekten vor Ort, die von Bewaffneten angegriffen wurden und werden. Als unlängst Firas Al Naji - ein Begründer neben anderer Initiativen auch von Projekten zur Nahrungssouveränität in Yarmouk (die sich bemühen, das Leiden der aufgrund der Belagerung hungernden Bewohner zu lindern), einer gezielten Tötung zum Opfer fiel, war dies nur eines der bezeichnendsten Beispiele für die außerordentliche Dramatik der Lage, in der sich die Zivilgesellschaft befindet. Alle aktiven Mitglieder der Zivilgesellschaft sind massiv bedroht, und wir wollen nicht schweigend zusehen, wie sie und ihre Community angegriffen werden.

Sie genießen als palästinensische Flüchtlinge - die als solche in vielen Ländern als staatenlos angesehen werden - in ihren Aufnahmeländern nicht den Schutz, der ihnen eigentlich zusteht. Wenn sie jetzt als palästinensische Flüchtlinge in Syrien erneut vertrieben werden, bedeutet dies, dass ihre ohnehin dürftigen Rechte als Staatenlose weiter beschnitten werden.

Im Fall von Yarmouk, einem südlichen Stadtteil der syrischen Hauptstadt, ist die UN-Organisation, die für die Aufrechterhaltung der Versorgungsleistungen für die palästinensische Community zuständig ist, die UNWRA, nicht in der Lage, ihren grundlegendsten Verpflichtungen gegenüber den palästinensischen Bewohner_innen nachzukommen. Das gilt für die gesamte Dauer der letzten beiden Jahre, seit das Lager durch das Regime von der Außenwelt abgeschottet wird. Es bedeutet, dass die gesamte Bevölkerung des Stadtteils - nicht nur die Palästinenser_innen - isoliert und von der Versorgung seitens der Internationalen Gemeinschaft abgeschnitten ist.

Die zweijährige Belagerung hindert die Menschen daran, das Flüchtlingslager zu verlassen oder es zu betreten und lässt auch Lebensmittel oder medizinische Versorgung außen vor. Seit 2014 wurde ein totaler Wassermangel herbeigeführt, indem man die Leitungen blockierte. Auf diese Weise ist es für die verbliebenen 18 000 Bewohner_innen zu einer katastrophalen humanitären Situation gekommen. Diese Belagerung ist gemäß dem Humanitären Völkerrecht illegal und kann nur als Kriegsverbrechen betrachtet werden.

Als Bauern- und Bäuerinnen-Bewegung und Bewegung für Nahrungssouveränität sind wir tief besorgt wegen der anhaltenden Verletzung der Rechte der Syrer_innen, womit wir sie alle meinen, die in vielen Regionen Syriens mit einer kriminellen Strategie des „verhungert oder unterwerft euch" konfrontiert sind. Mit fast 200 Hungertoten ist Yarmouk eines der erschreckendsten Beispiele für diese Methode, ganze Communities zu brechen. Wir lehnen es ganz entschieden ab, dass Hunger und Nahrung als Waffe gegen die Bevölkerung eingesetzt werden, unabhängig davon, welche bewaffneten Kräfte dies tun.

Angesichts der neuerlichen Entwicklung in Yarmouk, der Invasion durch den „Islamischen Staat" und seine Angriffe auf die Bewohner_innen und die dadurch weiter verschärfte humanitäre Katastrophe rufen wir die Internationale Gemeinschaft und ganz besonders die UNWRA dazu auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Bevölkerung Yarmouks zu schützen.

Wir fordern dringend:

  • Sicheres Geleit für alle Bewohner_innen von Yarmouk ins Lager und aus dem Lager hinaus, ohne dass sie Gefahr laufen, von bewaffneten Kräften vor Ort verhaftet zu werden;
  • umfassenden Schutz für all jene, die das Land verlassen, wobei dies auch beinhaltet, dass das Recht, dies zu tun, gewährleistet ist, und eine Politik der offenen Grenzen anderer Staaten einschließt;
  • umgehende Lebensmittel- und Wasserlieferungen sowie medizinische Hilfe durch die UNWRA für die Bewohner_innen von Süddamaskus;
  • eine gemeinsame Anstrengung aller palästinensischen Parteien, die Rechte derer zu verteidigen, die in und um Syrien eingeschlossen sind;
  • den entschlossenen Einsatz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz für die Lieferung von Medikamenten und Lebensmitteln an alle Bewohner des Stadtteils, für die Wiederherstellung der Krankenhäuser, deren Betrieb durch die Belagerung fast vollkommen zum Erliegen gekommen ist, sowie für ein sicheres Geleit!

Organisiert Proteste und Solidaritätsaktionen in euren Städten, um die Menschen in Yarmouk zu unterstützen und die Internationale Gemeinschaft, die UNWRA und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz aufzufordern, sie mögen ihr Mandat nutzen, um alles, was in ihrer Macht steht, für den Schutz der Menschen in Yarmouk zu tun.

Bitte schreibt an:

  1. Ein ergänzender Hinweis: Weitere Infos zur Lage in Yarmouk brachte die Frankfurter Rundschau in ihrer Ausgabe vom 10. 4. 2015 unter dem Titel "Die Katastrophe von Jarmuk".

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