Cloppenburg – 200 gegen Sklavenarbeit

Statt Wegsehen: eingreifen und Gesetze ändern!

In Wohncontainern oder heruntergekommenen Gebäuden leben im Landkreis Cloppenburg tausende ArbeiterInnen, tätig in der Schlachtindustrie und der Landwirtschaft. Eine Schätzung geht von rund 4.000 aus. Die Zahl der Betroffenen schwankt - je nachdem, ob grade Erntezeit ist (z. B. Spargel, Erdbeeren) oder 'nur' die Beschäftigten aus der Fleischindustrie betroffen sind.

Die Containersiedlungen muten eher wie Garagenhöfe an, die genutzten Schrottimmobilien entsprechen dem, was bis heute vom Westen gern als DDR-Standard ausgegeben wird.

(Bilder: Ausstellung zur Demo)

Nicht jedoch wirtschaftliche Not ist Hintergrund dieser Lebensverhältnisse, sondern wirtschaftlicher Erfolg - so der Kundgebungsredner Detlef Kolde (SPD).

Der Landkreis Cloppenburg bewegt sich in der Spitzengruppe in der Reichtums-Rangliste bundesdeutscher Kommunen, die in der BRD ansässige Fleischindustrie vermarktet ihre Produkte erfolgreich in bald 100 Länder der Welt - und erobert sich Märkte, indem sie in vielen Ländern die dortigen Betriebe in Grund und Boden konkurriert. Die in Rumänien und anderen Ländern 'freigesetzten' ArbeiterInnen treibt die Not in die Fänge der Schlacht- und Fleischvermarktungskonzerne Danish Crown, Tönnies, VION, und Co - bzw. den von diesen beauftragten Subunternehmen.

An den Bundesgesetzgeber gewandt forderten die RednerInnen gesetzliche Schranken gegen dieses Treiben. Klar wurde, dass die Verhältnisse in diesem Landkreis Süd-Oldenburgs erst aufgrund politischer Entscheidungen in der BRD zu dem wurden was sie heute sind: menschenverachtend.

Klare Bestimmungen über den "Werkvertrag", eine Generalunternehmerhaftung bei der Entsendung und Beschäftigung, die Festanstellung aller in dem Betrieb, in dem sie tätig sind, soziale Wohnstandards, die dann auch für alle gleich gelten, Mindestlöhne, von denen alle gut Leben können, fehlen, weil die politischen Entscheidungsträger und die hinter ihnen stehenden Lobbyisten diese nicht wollen. Wer solche Regeln nicht will, will die Ausbeutung, will den gnadenlosen Wettbewerb.

Im Fokus der Kundgebung stand der "Werkvertrag", zu dem das Bündnis für Menschenwürde in der Arbeitswelt eine Petition an Arbeitsministerin Andrea Nahles gestartet hat. Diese soll am 22. Mai übergeben werden, Unterschriften sind willkommen.
Dem Aufruf zu Kundgebung und Demonstration waren auch Menschen aus dem Bereich der ALSO und der Arbeitsloseninitiative Wilhelmshaven/Friesland gefolgt.

Jedoch unterschied sich der TeilnehmerInnenkreis in Cloppenburg krass von dem der Demo in Emsdetten vor gut einem Monat. Dort ging es genauso gegen Ausbeutung über Werkvertragsverhältnisse - dort beim Sprehe Konzern (Fine Food). Dort prägte die junge Generation das Bild, in Cloppenburg war es das Spektrum der alt-etablierten Verbände, Gewerkschaften, Parteien und Initiativen.

Nicht nur Jugend und ihre Zusamenhänge fehlten weitgehend. Scheinbar BRD-typisch war in Emsdetten das massive Polizeiaufgebot, das den jungen Menschen entgegen gestellt wurde. Dies fehlte in Cloppenburg, wie auch weitestgehend Pöbeleien von Passanten gegen die Demo.

Sozial ist was Arbeit schafft - diesem Glaubenssatz folgt auch hier kaum mehr jemand. Klar war, dass gesellschaftliche Regeln her müssen. Der Neoliberalismus verliert seinen Glanz.

Wohin das freie Spiel der Kräfte führt, in die Ausbeutung der Schwachen, der Verführten und der ihrer ökonomischen Grundlagen beraubten durch die Sieger, kann z. B. im Landkreis Cloppenburg sehen wer nur hinsehen will.

Aus dem eher ruhigen Demonstrationszug durch die Stadt wurde entsprechend gerufen:

Hinsehen statt wegsehen!

Soweit in der schicken Cloppenburger Innenstadt Verwüstungen festzustellen waren, könnten diese zwar durchaus der berechtigten Empörung darüber entsprechen, zu welchem Preis sich viele in dieser Region bereichern (auch als Vermieter), hatten aber nun wirklich nichts mit der hier beschriebenen Demo zu tun.

Medienecho:
NDR-3 berichtete in Hallo Niedersachsen noch am gleichen Abend. Leider fehlt das Video in der NDR-Mediathek. Die NWZ berichtete unter dem Titel Der Mensch ist zum Kostenfaktor verkommen deutlich zurückhaltend von diesem für die Süd-Oldenburger Speckschwarte beileibe nicht alltäglichen Ereignis.

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