Berlin, 17. 1., 50.000 hatten es satt!

50 000 Menschen fordern den Stopp von Tierfabriken, Gentechnik und TTIP

Ausschnitt aus dem Flyer der ALSO zur Wir-haben-es-satt!-Demo im Januar 2015

Erwerbslose wiesen auch diesmal darauf hin, dass aufgrund des niedrigen Hartz-IV-Satzes und der viel zu niedrigen Mindestlöhne vom politisch gewollter Billigsternährung von mindestens einem Drittel der Bevölkerung in Deutschland gesprochen werden darf und muss – und auch genau das bedeuten 10 Jahre Hartz IV, wie es zum Beispiel eine Mitstreiterin des Berliner Erwerbslosenforums auf der Demo zum Ausdruck brachte.

Bio allein reicht nicht, wie die ALSO in ihrem Flyer zur Demo schreibt und traf dabei einen wunden Punkt, der auch bei den die Demo organisierenden Gruppen an vielen Stellen diskutiert wird: Ein Bio-Label (wie z. B. Demeter, Bioland und, und, und…) allein schützen nicht vor übelster Ausbeutung der dort Beschäftigten. Niedrigeinkommen und der zunehmende Einstieg von allein profitorientierten Kräften in der wachsenden Bio-Branche gehen auf die Knochen von dort Beschäftigten. Auch grundlegende Entlohnungsregeln werden durch á la Bio arbeitende Betriebe verletzt, z. B. klar geregelte Nachtzuschläge oder Ausbildungsvergütungen. Bio gräbt sich so ein eigenes Grab, beraubt sich seines moralischen Vorteils. Zu glauben, dort gäbe es durchweg eine kuschelige Nische hieße einem lange gepflegten Missverständnis aufzusitzen.  Hier gibt es erheblichen gesellschaftlichen Diskussionsbedarf. Jed/r soll gut leben können. Doch das werden wir unter der Bedingung des alles bestimmenden Wettbewerbs um den billigsten Preis niemals erreichen.

Die VeranstalterInnen erklärten zur Demo in einer ersten Pressemeldung:


Bauern und Verbraucher gehen vereint für eine Agrarwende auf die Straße
Berlin, 17.01.2015 | Am heutigen Samstag gingen in Berlin zum fünften Mal Bäuerinnen und Bauern, Imkerinnen und Imker zusammen mit Verbraucherinnen und Verbrauchern für eine grundlegend andere Agrarpolitik auf die Straße. Das Bündnis fordert von der Bundesregierung eine klare Absage an das EU-USA-Handelsabkommen TTIP, einen wirksamen gesetzlichen Schutz der Land- und Lebensmittelwirtschaft vor der Gentechnik sowie den sofortigen Stopp des weiteren Ausbaus von Mega-Ställen. Ein Traktorenkonvoi mit über 90 Traktoren führte den Zug von 50 000 DemonstrantInnen an.
Das „Wir haben es satt!"-Bündnis hat in den letzten Jahren viel erreicht: TTIP ist in aller Munde und 97% der Europäer lehnen mehr Macht für Konzerne ab. Bürgerinitiativen haben mit Hilfe des neuen Baugesetzes mehr als 100 Mega-Ställe verhindert. Gentechnik hat durch das Engagement einer breiten Bewegung auf unseren Äckern keinen Fuß gefasst. Doch dies sind nur die Anfänge einer dringend notwendigen Agrarwende für eine Zukunft der Landwirtschaft in bäuerlicher Hand mit Rückhalt in der Gesellschaft.
„Das EU-USA-Handelsabkommen (TTIP) dient einseitig global agierenden Konzernen und wird vielen bäuerlichen Betrieben hier und weltweit die Existenzgrundlage entziehen. Gleichzeitig drohen die Verbraucherstandards gesenkt zu werden", sagt Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!"-Bündnisses. „Das heißt mehr Gentechnik im Trog und Hormonfleisch durch die Hintertür. Deswegen fordern wir von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel TTIP zu stoppen!"
Auch die Agrarpolitik der Bundesregierung wird von den Veranstaltern scharf kritisiert: Sie habe dazu beigetragen, dass beispielsweise seit dem Jahr 2000 mehr als Dreiviertel der SchweinehalterInnen aufgegeben haben, während Fleischkonzerne zunehmend die Tierhaltung übernähmen. Trotz eines Selbstversorgungsgrades mit Fleisch von 120 % würden weiter Mega-Ställe in Deutschland genehmigt.
„Die Strategie, die Produktion immer weiter auszudehnen, was zu Dumping-Exporten auf dem Weltmarkt führt, ist gescheitert. Die Landwirtschaft in Deutschland braucht eine Zukunft jenseits von Tierfabriken und Mega-Schlachthöfen", so Fritz weiter. „Wenn die Bundesregierung jetzt nicht handelt, zementiert sich eine agrarindustrielle Struktur, die nicht mehr veränderbar ist. Die Zukunft liegt in der Ernährungssouveränität auf Basis regionaler Märkte."

Diese Pressemitteilung sowie weitere Statements einzelner RednerInnen findet Ihr hier.

Bilder der Demonstration haben die VeranstalterInnen unter folgendem Link eingestellt:
https://www.flickr.com/photos/80493129@N08/sets/72157647995393114/

Mit einem zweistündigen Film hat KIEKE MA FILM BERLIN die Demo ausführlich dokumentiert, einschließlich vieler Beiträge zur Auftakt- und Abschlusskundgebung.

Einige unserer eigenen Bilder seht Ihr hier:

 

Vielfalt bestimmte den Eindruck von der Demo

Bild mit der ALSO-Fahne

DemonstrantInnen schieben sich dicht gedrängt durch die Luxemburger Straße

Plakat mit der Aussage:

Plakat zum Schutz der Bienen(völker)

Bild mi tMotivwagen der

 

 

 

 

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