Bauern blockieren DMK-Molkerei in Edewecht

Trecker-Blockade wegen existenzgefährdender Tiefstpreise. „Runter mit der Menge! Rauf mit dem Preis!" Größte deutsche Molkerei soll Signal für Mengen-Bremse setzen.

In Edewecht im Oldenburger Land blockieren am Montag, 22. Februar, Milchbauern mit 30 Treckern die Zufahrt zum dortigen Werk der größten deutschen Molkerei, dem Deutschen Milchkontor (DMK).

Sie protestieren damit gegen die niedrigen Auszahlungspreise des DMK an die Bauern. Gegenüber Mitte 2014, als der starke Preisverfall einsetzte, zahlt das DMK heute 13 Cent weniger je Liter Milch aus.

 

Wir von der ALSO haben diese Aktion von Milchbauern unterstützt, die eine Molkerei blockiert haben.

Die AbL schrieb am Tag der Aktion an ihre Mitglieder:

"Liebe AbL-Mitglieder, nach drei Stunden wurde die Blockade von zwei Zufahrten des DMK-Werks in Edewecht heute Nachmittag beendet. Jetzt liegt es in den Händen der DMK-Spitze und der DMK-Vertreterversammlung morgen, Beschlüsse zu fassen, die dem Ernst der Lage auf den Höfen gerecht werden."

Unter anderem "Hallo-Niedersachsen" berichtete ausführlich von der Aktion. Überhaupt war das Medienecho sehr positiv – die Frage ist, wieweit nun die Bereitschaft zu politischen und betrieblichen Entscheidungen gewachsen ist, von dem Wachstums- und Dumpingpreis-Export-Kurs abzugehen.

Ausführlicher erläuterte die AbL auf ihrer Webseite den Hintergrund dieser Aktion:

Trecker-Blockade wegen existenzgefährdender Tiefstpreise. „Runter mit der Menge! Rauf mit dem Preis!" Größte deutsche Molkerei soll Signal für Mengen-Bremse setzen.

In Edewecht im Oldenburger Land blockieren seit heute 11:30 Uhr Milchbauern mit 30 Treckern die Zufahrt zum dortigen Werk der größten deutschen Molkerei, dem Deutschen Milchkontor (DMK). Sie protestieren damit gegen die niedrigen Auszahlungspreise des DMK an die Bauern. Gegenüber Mitte 2014, als der starke Preisverfall einsetzte, zahlt das DMK heute 13 Cent weniger je Liter Milch aus.

26 Cent je Liter Milch bedeutet für die Milchviehhalter Verlust mit jedem Liter. Solche Preise bedrohen die Existenz Tausender Milchviehbetriebe", mahnt Ottmar Ilchmann, Milchbauer aus Ostfriesland und stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Die Molkerei halte sich selbst schadlos und wälze das ganze Marktrisiko auf die Milcherzeuger ab, kritisierte Ilchmann. Die blockierenden Milchbauern fordern das DMK auf, sich jetzt umgehend für einen Stopp des anhaltenden Mengenwachstums an Milch einzusetzen und als größte deutsche Molkerei voranzugehen.

Es ist zu viel Milch am Markt. Das sagt auch die DMK-Spitze, aber sie zieht daraus keinerlei Konsequenzen. Wir fordern den DMK-Vorstand und -Aufsichtsrat auf, jetzt aktiv auf die Mengen-Bremse zu drücken. In den Niederlanden hat die dortige größte Genossenschaftsmolkerei Friesland-Campina vorgemacht, dass das geht", fordert Ilchmann in Edewecht.

Friesland-Campina hatte Anfang des Jahres für sechs Wochen einen Bonus von 2 Cent je Liter eingeführt für diejenigen Milcherzeuger, die ihre Menge nicht mehr gesteigert oder sogar reduziert haben. Etwa 60 Prozent der dortigen Milcherzeuger machten mit und verringerten die Milchmenge in der kurzen Zeit um 35 Millionen Liter.

Die Milchbauern sind bereit. Es braucht aber eine überbetriebliche Koordination, damit eine Mengenreduzierung des einzelnen nicht verpufft. Das DMK hat die Größe und die Marktmacht, hier in Deutschland voranzugehen und damit auch ein klares Zeichen in weitere europäische Länder und in Richtung Berlin und Brüssel zu setzen."

"Runter mit der Menge, rauf mit dem Preis!", bringt es Milchbauer Ilchmann auf den Punkt.

Am morgigen Dienstag, 23.02.2016, hält das DMK auf Antrag der Basis eine außerordentliche Vertreterversammlung ab. „Dort muss die DMK-Spitze die Chance nutzen und klare Signale im Sinne der Milcherzeuger setzen. Es ist höchste Zeit", so der stellvertretende AbL-Vorsitzende.

(soweit der Bericht der AbL, den wir hier mit Dank übernommen haben)

 

Als Ergänzung bringen wir noch einen Ausschnitt aus einer Zuschrift von gestern an die ALSO-Seite:

Nach der außerordentlichen Vertreterversammlung am folgenden Tag hat die DMK-Spitze eine eher inhaltsarme Presseerklärung herausgegeben, in der sie sich unter anderem damit brüsten, dass sie ihren Gewinn um 30 Millionen auf nur noch 12 Millionen reduziert haben, um ihren Bauern mehr Milchgeld auszuzahlen.
Und in allen Presseberichten, die ich bisher über diese Vertreterversammlung gesehen habe, wird noch einmal unsere gestrige Aktion erwähnt, und viele machen auch noch mit einem der dpa-Fotos von der Blockade auf. Da kommt Freude auf.

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