ArbeiterInnen unter Druck

Matthias Brümmer, NGG Region Oldenburg

Am 26. 5. waren die Beraterinner der mobilen Beratung für ausländische Beschäftigte und Vertreter der Gewerkschaft NGG vor dem "Geestland"-Putenschlachthof in Wildeshausen. Dort verteilten sie Beratungsinfos und den neuen Mindestlohntarifvertrag in verschiedenen Sprachen. Nicht nur Vorarbeiter der Fleischunternehmen, auch die Polizei behinderte diese Aktion. Matthias Brümmer schildert in dem Interview, was sich auf öffentlichem Gelände, also vor dem Werkstor von Geestland, abspielte. "Mehrere Bulgaren sagten uns, dass sie unser Material nicht annehmen dürften. Andere haben es gleich abgelehnt, die Leute hatten offenbar Angst. Das ist interessant, weil sich die PHW-Gruppe, zu der Geestland ja gehört, öffentlich immer für einen Mindestlohn ausgesprochen hat." Nach spätern Aussagen von Arbeitern hatte der Vorarbeiter gedroht, die ganze Kolonne rauszuwerfen, wenn nur einer von ihnen ein Info-Blatt der NGG oder der mobilen Beratungsstelle nehmen würde. 

Bei den Informationsblättern, die verteilt wurden, ging es um so brisante Dinge wie die Kontaktdaten der seit November 2013 im Auftrag des Landes Niedersachsen arbeitenden "Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Niedersachsen" (Tel. 0441-92490-21, Mail: daniela.reim@aul-nds.de) und den zum 1. Juli in Kraft tretenden Mindestlohntarifvertrag in der Fleischindustrie (auch auf Bulgarisch, Polnisch, Rumänisch und Ungarisch). 

Der Mindesttarif gilt für alle Betriebe, die Tiere (Schweine, Rinder und Geflügel) schlachten und/oder Fleisch zerlegen, verarbeiten, portionieren, verpacken (ausgenommen: Fleischerhandwerk außerhalb der Industrie). Er gilt für alle Abteilungen der Fleischwirtschaft wie auch für deren Dienstleister und bei Entsendung von ArbeiterInnen aus anderen Ländern nach Deutschland, sobald er über das Entsendegesetz (§ 7 AEntG) für allgemeinverbindlich erklärt ist. Die Übernahme dieses Mindesttarifs in das Entsendegesetz (und damit erst dessen Inkraftsetzung) scheint aber mit Datum von heute (25. 6.) noch etwas zu dauern (und geschah erst zum 1. 8. 14; siehe den Bericht hier).

Der Mindestlohn beträgt dann (in Ost wie West) 

  • 7.75 € ab 1. Juli 2014  (so war es vereinbart, tatsächlich ab dem 1. 8.
  • 8.00 € ab 1. Dezember 2014
  • 8.60 € ab 1. Oktober 2015
  • 8.75 € ab 1. Dezember 2016 

Nach diesen Vorfällen könnte mensch annehmen, dass diese Informationen in den Händen und Köpfen der KollegInnen aus vielen Ländern brisant sind, weil "Geestland" und die dort tätigen Subunternehmen grundlegende Arbeitsstandards wie auch den neuen Tarifvertrag umgehen wollen.

"Geestland" ist ein Wiesenhof-Schlachthof des Wesjohann-Konzerns. Was gemeint ist, wenn dort "Offene Kommunikation" gepflegt wird, versteht wer erlebt, wie offen dort ArbeiterInnen eingeschüchtert werden. Mensch versteht, wie sich Fleisch-Mafia anfühlt und wo der Vergleich mit der Sklaverei herkommt.

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