ALSO schlägt ALARM

Verarmung durch Mieten und Energiekosten: Wir schlagen Alarm!

Eine Auswertung unserer Sozialberatung zeigt: Mehr als dreißig Prozent der Hartz-IV-Haushalte bekommen vom Jobcenter nicht ausreichend Geld für ihre Miet- und Heizungskosten. Und der Betrag im Regelsatz für Strom reicht schon seit Jahren nicht mehr.

Wenn die Miet- und Heizungskosten über den Mietobergrenzen liegen, erhalten die Betroffenen eine „Kostensenkungsaufforderung": Sie müssen sich eine günstigere Unterkunft suchen oder die darüber liegenden Kosten aus ihrem Regelsatz bestreiten. Diese Zahlen belegen, dass die Mietobergrenzen nicht mehr der Realität auf dem aktuellen Wohnungs- und Energiemarkt in Oldenburg entsprechen.

Fast zwei Mio Euro fette Beute - von mageren Opfern!

Fast zwei Mio. Euro spart die Stadt Oldenburg im Jahr 2013 auf Kosten der Armen, weil das Jobcenter im Durchschnitt monatlich rund 17 Euro der tatsächlichen Unterkunfts- und Heizungskosten für die rund 9.500 Bedarfsgemeinschaften nicht anerkennt.

Wohnungswechsel - aber wohin?

Mehr als 5.000 Wohnungssuchende verzeichnet allein die GSG auf ihrer Interessentenliste im Jahr 2013. Die Betroffenen haben so gut wie keine Chance, durch einen Wohnungswechsel ihre Unterkunftskosten zu senken. Und sie leben bescheiden: ALSO - Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg, test.also-zentrum.de

Energiesparen - durch frieren?

Wider alle Vorurteile: Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2008 belegt, dass einkommensarme Haushalte weniger als die durchschnittliche Menge Energie verbrauchen, obwohl die Menschen sich länger in ihren Wohnungen aufhalten, ihre Wohnungen schlechter isoliert sind und sie oft „Energiefresser" als Haushaltsgeräte betreiben müssen. Und alle Anstrengungen zum Energiesparen werden durch die drastisch gestiegenen Energiekosten zunichte gemacht. Seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 haben sich die Gaspreise um 31,1 Prozent, die Heizölpreise um 55,8 Prozent und die Strompreise um 48,9 Prozent erhöht. Der Regelsatz ist seitdem von 345 auf 391 Euro gestiegen - das sind 13,4 Prozent.

Hundert Euro im Monat - ist das viel?

Für einen Alleinstehenden werden im Regelsatz jeden Monat für Strom durchschnittlich schon zehn Euro zu wenig berücksichtigt. Dazu kommen die nicht anerkannten Unterkunfts- und Heizungskosten. So fehlen schnell Hundert und mehr Euro im Monat. Das scheint nicht viel Geld zu sein. Doch es muss aus einem Regelsatz von nur 391 Euro abgespart werden!

Es ist ein Angriff auf das Leben und die Gesundheit…

Die Regelsätze liegen bereits unter dem Existenzminimum. Sie enthalten für ein 14-jähriges Kind 4,41 Euro pro Tag für Essen und Trinken, für einen Erwachsenen sind es gut 5 Euro. Fehlendes Geld für Miete und Energie vom Munde absparen zu müssen, bedeutet einen weiteren massiven Angriff auf das Leben und die Gesundheit der Betroffenen und ihrer Kinder. Die ständige Geldnot drängt an den Rand der Gesellschaft, demütigt und zermürbt. Armut und Ausgrenzung verursachen auch mehr Krankheiten. Arme Menschen sterben durchschnittlich fünf Jahre früher.

… und es reicht für Energieschulden und Stromsperren!

Energieschulden sind durch diese Belastungen vorprogrammiert, und immer häufiger wird einkommensarmen Haushalten einfach der Strom abgestellt. Das bedeutet oft wochenlang ein Leben in Kälte und Dunkelheit.

Nach außen hui - in Wahrheit pfui!

In der Zeitung und im Sozialausschuss verkünden die Sprecher der EWE, dass es nur wenig Stromsperren gäbe, dass versucht würde, mit den betreffenden Haushalten eine andere Lösung zu finden und dass Familien mit Kleinkindern der Strom schon gar nicht abggedreht würde. Aber bereits dreimal seit Anfang dieses Jahres (Januar bis März!) sind alleinerziehende Frauen mit Kleinkindern in die ALSO-Beratung gekommen, weil ihnen wochenoder gar monatelang von der EWE der Strom abgedreht worden ist.

Gut gemeint - ist nicht automatisch gut

Projekte zum Energiesparen, die sich ausschließlich an Erwerbslose richten, mögen gut gemeint sein. Aber vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund befeuern sie tatsächlich nur das falsche Vorurteil, Arme würden überdurchschnittlich Energie verbrauchen. Sie stigmatisieren einkommensarme Haushalte - und Ein-Euro-Jobs für die Energieberater sind kein ehrlicher Weg aus der Erwerbslosigkeit. ALSO - Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg,

Energiesparen: Na klar - aber dann richtig!

Wenn es tatsächlich ums Energiesparen gehen soll, müssten

  • die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude vorangetrieben werden,
  • die energetische Sanierung der privaten Häuser stärker gefördert werden,
  • alle Haushalte gleichermaßen beraten werden - z. B. über den Energieverbrauch durch Zweitwagen, Zweitfernseher, Zweitcomputer, Zweit-Playstations, Smartphones, Hifi-Anlagen, Saunen, Wintergärten, elektrische Jalousien und Garagentore, Elektrogrills, Flugreisen, vollautomatische Kaffeemaschinen...,
  • Erwerbslose im Rahmen eines kommunalen Beschäftigungsprogramms zu Energieberatern in regulärer Beschäftigung qualifiziert werden,
  • Sanierungsgebiete vor Mietsteigerungen durch energetische Sanierung geschützt werden.

Sofortmaßnahmen für Oldenburg:

  • Stopp der Kostensenkungsaufforderungen durch Jobcenter und Sozialamt
  • Übernahme der vollen Unterkunfts- und Heizungskosten für alle Bedarfsgemeinschaften
  • Einführung eines Sozialtarifs durch die EWE
  • Lokale Abwrackprämie für „Energiefresser" einführen

P. S.: Den Flyer mit unseren Forderungen bekommt Ihr in der ALSO. 

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